FCH-Verteidiger Hennes Behrens war die Ratlosigkeit nach der 0:1-Niederlage beim FC Augsburg deutlich anzusehen. „Normalerweise wird es belohnt, wenn man immer weiter dranbleibt“, so der Neuzugang, „dann fällt irgendwann das Tor, aber bei uns ist es im Moment einfach nicht so.“ Die vierte Niederlage des 1. FC Heidenheim in der Rückrunde verdeutlichte nicht nur die wiederkehrenden Offensivprobleme, sondern auch weitere Defizite – wodurch die Siegchancen Woche für Woche im niedrigen Bereich bleiben und vielleicht auch bleiben werden.
Die Abschlussschwäche: Nur 19 Treffer in 22 Spielen
Dass sich die Heidenheimer schwer mit dem Toreschießen tun, hatte Trainer Frank Schmidt schon im Rückblick auf die Vorsaison ausgemacht. Die erhoffte Besserung blieb aus und die Entwicklung ging sogar in die entgegengesetzte Richtung. Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Spielzeit hatte der FCH 25 Treffer und damit sechs mehr als aktuell (19) erzielt.
In Augsburg drückten die Heidenheimer die Gastgeber phasenweise in die eigene Hälfte, konnten die Überlegenheit aber nicht in Torgefahr ummünzen. „Wir schaffen es dann nicht, klar zum Abschluss zu kommen“, sagte Kapitän Patrick Mainka mit Blick auf den Spielverlauf. Die wenigen Chancen wurden aber überhastet vergeben. Bezeichnend für die fehlende Durchschlagskraft war der Abschluss von Jan Schöppner, der von der Strafraumgrenze den Ball unbedrängt in die Arme von FCA-Keeper Finn Dahmen schlenzte. „Das war ein Riesending“, sagte Frank Schmidt, „bei den Chancen und dem vielen Raum, den wir hatten, musst du eigentlich in Führung gehen.“ Das gelang dem FCH aber erneut nicht, und so blieb man zum neunten Mal in dieser Saison ohne eigenen Treffer.

„Berechtigter“ Elfmeter sorgt für Entscheidung: Der FCH verliert trotz großem Einsatz in Augsburg mit 0:1
Geringe Effekte durch Veränderungen in der Startelf
Personell zog Trainer Frank Schmidt, wie im Vorfeld der Partie angekündigt, die Zügel an. Angreifer Mikkel Kaufmann, der beim überzeugenden 2:1-Sieg in der Hinrunde gegen den FCA getroffen hatte, fehlte am Sonntagnachmittag im Kader, genauso wie Jonas Föhrenbach. Der Außenverteidiger war an den ersten 19 Spieltagen in der Startelf gestanden. Mit Debütant Christian Conteh, Edeljoker Stefan Schimmer und Jan Schöppner rückten drei neue Spieler in die Anfangsformation. In dieser Saison gibt es aber keine Aufstellung, die sich als dauerhaft erwiesen hat.

Schmidt veränderte seine Startelf in jedem Spiel im Vergleich zur Vorwoche – ob aus Leistungs-, Taktik- oder Verletzungsgründen. Das Resultat zeigt sich unabhängig von den Motiven des Trainers auf dem Rasen: Ein echtes Grundgerüst – das mehr als vier bis fünf Spieler umfasst – hat sich in dieser Saison nicht gebildet. Auch in der WWK-Arena wirkte die mehrfach veränderte Formation engagiert, die Genauigkeit und Eingespieltheit fehlte aber in vielen Situationen.

Die Bilder zum Spiel: Der FCH verliert 0:1 beim FC Augbsurg
Die mangelnde Cleverness: Der FCH verursachte bereits fünf Elfmeter
Die Saisonpremiere, erstmals in einem Spiel ohne Gegentor zu bleiben, verbaute sich der FCH in der Schlussphase selbst. Die mangelnde Cleverness in der Defensive zeigte sich bei den Heidenheimern, die mit 48 Gegentreffern ligaweit die meisten kassiert haben, in Augsburg in Person von Benedikt Gimber. „Ich halte ihn einen Tick zu lange fest“, sagte der Verteidiger über sein Foulspiel an Kevin Schlotterbeck, das in der 79. Minute zum spielentscheidenden Elfmeter führte.
Ein Fehler, den der Augsburger Spieler seinerseits clever ausgenutzt hatte, wie auch Patrick Mainka erkannte. „Vielleicht ist auch das irgendwo diese Reife, die Keven Schlotterbeck in diesem Moment bewiesen hat“, sagte der FCH-Kapitän, der eben diese Eigenschaft in den engen Partien beim FCH selbst vermisst. „Wir haben das in dieser Bundesliga-Saison nicht so zeigen können“, so der 31-Jährige. Und das kostete allein in der Rückrunde einige Punkte. In den vergangenen drei Spielen verursachte der Tabellenletzte drei Strafstöße, über die gesamte Saison waren es schon fünf. Und als einziger Bundesligist bekamen die Heidenheimer noch keinen Elfmeter zugesprochen.

Einzelkritik: Wie bewerten Sie die Leistung des FCH beim 0:1 gegen den FC Augsburg?
Diese vielschichtigen und vor allem wiederkehrenden Fehlerbilder brachten den FCH, der seit Anfang Dezember auf einen Sieg wartet, als Dauergast in die Abstiegszone. Einen einfachen Ausweg aus der „beschissenen Situation“, wie sie Mainka bezeichnete, konnten weder der Kapitän selbst noch Frank Schmidt liefern. „Wir zeigen Woche für Woche, dass wir für Punkte infrage kommen, aber wir bekommen das Momentum nicht auf unsere Seite gezogen“, sagte Mainka. Schmidt zog zur Verdeutlichung der Lage ein Bildnis heran. „Am Ende ist der Knoten irgendwie so festgezogen, dass wir ihn nicht aufkriegen“, sagte er.
Das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart an diesem Sonntag, 22. Februar, dürfte eine der letzten Möglichkeiten sein, um einen „Knotenlöser“ oder „Momentumszieher“ zu finden, sonst könnte aus der Ratlosigkeit bald eine Hoffnungslosigkeit werden.
