In Testspielen sind die Ergebnisse meist zweitrangig, beim alles in allem ansprechenden 2:0-Sieg des 1. FC Heidenheim über Drittligist Waldhof Mannheim am Samstag in der Voith-Arena waren sogar mehrere Punkte wichtiger.

Der Spielverlauf: Die Heidenheimer ließen gegen den ambitionierten Drittligisten pro Halbzeit nur je eine klare Chance zu, dabei war der junge Torhüter Paul Tschernuth, der als Einziger durchspielen (oder durchfrieren) durfte, auf dem Posten. Die Überlegenheit war in den ersten 45 Minuten, in denen weitgehend Stammkräfte spielten, noch zu erwarten, nach dem Wechsel, als die im bisherigen Saisonverlauf noch kaum spielenden Akteure randurften, etwas überraschend.

„Ich glaube, in der ersten Halbzeit hatten wir die komplette Spielkontrolle, mit jeder Menge Torchancen. Bis auf einen Konter haben wir auch nichts zugelassen, das war so, wie ich es mir vorstelle. In der zweiten Halbzeit waren ein paar junge Spieler dabei, das war also gar nicht so einfach, aber ich finde, auch die haben es heute gut gemacht“, analysierte Trainer Frank Schmidt.

Bei den angesprochenen Möglichkeiten scheiterten unter anderem Jan Schöppner und Kevin Sessa am glänzend reagierenden Mannheimer Torhüter Jan-Christoph Bartels, so war es wieder einmal Denis Thomalla, der die Ruhe behielt und einen Konter über Tim Kleindienst zum 1:0 abschloss. Im zweiten Abschnitt lief dann offensiv auch nicht mehr viel zusammen, für den Endstand sorgte der junge Mert Arslan, der nach Eckball zum 2:0 einköpfte.

Die Spielpraxis: Es ist einfach ungewohnt. Da beendet der FCH bei noch recht gutem Fußballwetter seine Hinrunde und bestreitet dann bei winterlichen Verhältnissen seine ersten Tests. Ebenso wie beim 0:2 in Augsburg vergangenen Freitag war es auch zu Hause gegen Mannheim nicht einfach für die Spieler, bei der Kälte und dem teilweise recht rutschigen Rasen stand die Vermeidung von Verletzungen im Vordergrund. „Mit Wiederbeginn sind die Bedingungen schwieriger geworden, es ist kalt geworden, man spielt mal auf Kunstrasen, mal auf Rasen. Das ist alles nicht so einfach, aber wir konnten trainieren, die Jungs ziehen gut mit. Es war auch die Idee, an diesem Wochenende jedem die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen“, sagt Schmidt.

Die Gesundheit: Der Trainer ist froh, dass seine Truppe bisher gut durchkam. „Ich hoffe, dass dem Waldhöfer Spieler, der ausgewechselt werden musste, nichts Schlimmeres passiert ist. Ansonsten gab es keine Verletzten, das ist das Wichtigste“, so Schmidt.

Am Samstag setzten Patrick Mainka (mit Problemen an den Adduktoren), Stefan Schimmer (am Oberschenkel) und Adrian Beck (an der Achillessehne) aus, alle sollten aber bald wieder spielen können. „Nächste Woche werden wir auch nicht mehr groß belasten, weil einfach die Gefahr zu groß ist. Ich hoffe einfach, dass sich am 3. Januar, wenn wir dann wieder anfangen, die milderen Temperaturen wieder durchsetzen.“

Das Comeback: Mit Jan Schöppner fiel in der Schlussphase der Hinrunde ein Stammspieler aus, nach einem noch etwas wackligen Kurzeinsatz im abschließenden Spiel gegen Regensburg ist er nun wieder voll in der Mannschaft. „Bei 100 Prozent ist er mit Sicherheit noch nicht, aber jetzt in den Trainingseinheiten und auch beim Spiel zeigt er sich so, wie wir ihn kennen, sehr laufstark, sehr ballsicher, immer anspielbar. Da freue ich mich, dass wir eine richtig gute Option haben“, sagt Schmidt.

Der besondere Gast: Im Mittelpunkt stand ausnahmsweise ein Gästespieler – die Fans feierten FCH-Legende Marc Schnatterer, der die erste Halbzeit spielte und nach seiner langen Verletzung wieder einen guten Eindruck machte, von Beginn an. Es gab viele „Schnatti“-Rufe und die inzwischen üblichen Pappschilder mit Trikot-Bitte. Im Ultra-Block wurde eine Schnatterer-Fahne geschwenkt und es kam sogar Pyrotechnik zum Einsatz.

„Das hat mich wirklich berührt. Ich hab ja mit dem FCH auch einige Testspiele mitgemacht, aber so viele Leute und so eine Stimmung – das war beeindruckend. Das kann man gar nicht so richtig in Wort fassen“, beschrieb der 37-Jährige seine Gefühle nach der Partie.

Seit seinem Abschied vor eineinhalb Jahren sei er „vielleicht das fünfte Mal“ wieder hier gewesen und jetzt erstmals wieder richtig im Stadion. „Man sieht, was in gemeinsamen 13 Jahren zwischen uns entstanden ist“, so Schnatterer.

Die Ukraine-Hilfe: Mit 1400 Zuschauern war die Partie für ein Testspiel gegen einen Drittligisten sehr gut besucht. Das freute auch Frank Lattermann vom Verein „Heidenheim für Ukraine“, so kam durch die Stände und Eintrittsgelder vermutlich auch eine ganz ordentliche Summe zusammen.

„Ich bin unendlich dankbar gegenüber allen, die hier zu diesem tollen, erfolgreichen Ereignis beigetragen haben. Selbst die organisierten Fans sind dabei, der FCH, der Sportkreis, die vielen Menschen und Gruppierungen, die dazu beigetragen haben, dass es so erfolgreich war. Verbunden mit der Hoffnung, dass wir auch neue Menschen finden, die uns weiterhin bei dieser wichtigen Arbeit für die Ukraine unterstützen“, so Lattermann.

Statistik zum Spiel:

FCH, 1. Halbzeit: Tschernuth – Busch, Maloney, Siersleben, Föhrenbach – Schöppner – Biankadi, Sessa, Thomalla, Beste – Kleindienst

2. Halbzeit: Tschernuth – Rittmüller, Ramusovic, Keller, Theuerkauf – Arslan, Geipl, Burnic, Köther – Kühlwetter, Pick

Waldhof Mannheim: Bartels (46. Behrens) – Sommer (46. Dörfler), Riedel (46. Karbstein), Seegert (66. Irorere), Rossipal (66. Bolay) – Schnatterer (46. Ekincier), Malachowski (46. Jans), Wagner (46. Russo), Winkler (46. Kother) – Keita-Ruel (46. Sohm), Martinovic (66. Lebeau)

Tore: 1:0 Thomalla (39.), 2:0 Arslan (67.)

Zuschauer: 1398