Heidenheim / Nadine Rau Die Winterpause ist überstanden, nächste Woche rollt der Ball wieder. Was hat sich bei Heidenheims Konkurrenz in den vergangenen Wochen getan? Ein Überblick.

Wer erinnert sich noch an Wahrscheinlichkeitsrechnungen im Mathematikunterricht? Für die einen waren diese aufgemalten Bäume total nachvollziehbar, andere haben schlicht überhaupt nicht verstanden, wie man irgendwie berechnen soll, was wie wahrscheinlich passiert. Vielleicht hat es ja auch schon den ein oder anderen Fußballfan gegeben, der sich ausgerechnet hat, mit welcher Wahrscheinlichkeit sein Verein aufsteigen wird.

Wer jedenfalls gerne rechnet und Spielereien mag, kann gerade im Fußballmagazin „Kicker“ freien Herzens Ergebnisse kommender Partien eintragen und sich anzeigen lassen, wer denn nun das Rennen machen wird in der Zweitligasaison.

Gelingt dem HSV der Weg zurück ins Oberhaus? Schafft die Fahrstuhlmannschaft Arminia Bielefeld, nach zehn Jahren in der zweiten Liga, zum achten Mal den Sprung zurück nach oben? Oder findet der neue Stuttgarter Trainer Pellegrino Matarazzo die richtige Taktik für seine Mannschaft und verhilft dem VfB zu einer rosigen Zukunft?

Wie gefährlich wird der FCH?

Noch spannender die Frage: Wie gefährlich kann der FCH diesen Aufstiegsanwärtern werden? Sicher gleich ein Gradmesser für beide Seiten wird die anstehende Partie des 1. FC Heidenheim beim VfB Stuttgart am kommenden Mittwochabend (18.30 Uhr) sein.

Genauso wie sich der FCH mit Tobias Mohr verstärkt hat, haben sich die Stuttgarter mit Darko Churlinov vom 1. FC Köln einen neuen Mann ins Boot geholt. Der Außenbahnspieler kam allerdings nicht gerade mit viel Bundesligaerfahrung ins Schwabenland, stand er für die Geißböcke doch nur einmal auf dem Platz, wurde sonst aber in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Ein fröhliches Hin und Her hat Innenverteidiger Nathaniel Philipps hinter sich, der während der Winterpause wieder von Liverpool zurückgeholt worden war, dort aber nur 90 Minuten im FA-Cup spielen durfte. Eine wichtige Stütze könnte er für den VfB dennoch sein, weil Holger Badstuber noch verletzt ausfällt.

Und was hat die restliche Konkurrenz der Heidenheimer in der Winterpause so getrieben? 15 der 17 Vereine haben sich personell verstärkt. Die meisten verbuchten einen Neuzugang, allerdings gibt es auch Ausreißer, die weit mehr Handlungsbedarf sahen. Dynamo Dresden zum Beispiel. Der Tabellenletzte muss schleunigst aus dem Keller heraus und hat sich dafür die Dienste von gleich vier neuen Akteuren gesichert, darunter auch Patrick Schmidt vom 1. FC Heidenheim. Mit Josef Husbauer und Godsway Donyoh kamen Spieler aus Tschechien und Dänemark in Sachsens Hauptstadt – die Scouts hatten ihre Augen überall.

Neue Leute - viele Baustellen?

Obwohl es schnell gehen kann im Fußball und angesichts der reichlich verbleibenden Spiele in der laufenden Saison noch alles möglich ist: Der Tabellenkeller sollte für die Heidenheimer in dieser Saison keine Rolle mehr spielen. Interessanter sind da schon die direkten Verfolger. Aue, Osnabrück, Regensburg, Fürth, Sandhausen, Kiel.

Erzgebirge Aue hat im Trainingslager in Spanien gegen die beiden Drittligisten Unterhaching und Magdeburg nicht gewinnen können, Kapitän Martin Männel war aber trotzdem hochzufrieden mit der Vorbereitung und gibt den Klassenerhalt als Ziel der Mannschaft an. Ausgeliehen haben die Veilchen den Innenverteidiger Jacob Rasmussen vom italienischen Erstligisten AC Florenz, dabei soll es laut Präsident Helge Leonhardt auch bleiben. „Wenn du neue Leute bringst, kriegst du zu viele Baustellen rein. Die spielen dann in der Kabine verrückt“, sagte er. Rein theoretisch bestünde aber noch bis zum 31. Januar die Möglichkeit, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden.

Der VfL Osnabrück bezog im letzten Testspiel eine Niederlage gegen den Regionalligisten SC Verl. Trainer Daniel Thioune war danach aber noch ganz gut drauf und scherzte ein bisschen: „Meine Ideen sind vielleicht nicht alle so gut. Aber ich kann sie noch verändern.“ Arbeiten will er bis zum Wiederbeginn vor allem an der Stabilität in der Defensive. Mit Assan Ceesay haben die Lila-Weißen einen Stürmer vom FC Zürch ausgeliehen. Schnelligkeit, aggressives Anlaufverhalten und sein Kopfballspiel sollen die Osnabrücker gefährlicher machen.

Bei Jahn Regensburg ist mit Aaron Seydel seit kurzem ein fast zwei Meter großer Offensivmann mit von der Partie, der Jahn hat den ehemaligen U-21-Nationalspieler von Mainz 05 ausgeliehen. Allerdings muss sich Seydel nach einer Verletzung erst wieder zurückkämpfen, wovon SSV-Trainer Mersad Selimbegovic überzeugt ist. Selimbegovic ist immer für einen guten Spruch zu haben und sagte zum Neuzugang: „Er muss auch mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, sonst wird es bei seiner Größe sehr schwierig, das Gleichgewicht zu halten.“

In seinen vier Testspielen blieb der Jahn ungeschlagen, speiste zuletzt den österreichischen Zweitligisten FC Blau-Weiß Linz mit 5:0 ab. Allerdings hatte schon Heidenheims Gegner Austria Lustenau, momentan Tabellenfünfter in derselben Liga, eher Drittliganiveau – Linz ist momentan Zwölfter.

Beeindruckt von der Mannschaft

Was tat sich bei Greuther Fürth und beim SVSandhausen und damit zwei Vereinen, mit denen der FCH noch eine Rechnung offen hat?

Die Kleeblätter haben in Timothy Tillmann Verstärkung für die Offensive gefunden. Er wurde bei Greuther Fürth ausgebildet und kehrte nach den Stationen FC Bayern München und 1. FC Nürnberg gerne wieder zu seinem Jugendverein zurück. Nach einer Verletzung ist aber auch er noch nicht ganz fit. Die Aufstellung und Wechsel vom letzten Testspiel der Kleeblätter im Trainingslager blieben geheim, verraten sei aber zumindest, dass sie gegen Lechia Danzig 0:3 verloren haben.

Fortan in seiner Heimatstadt und damit auch wieder bei seinem Jugendverein spielt Fabian Reese, der sich Holstein Kiel angeschlossen hat. Schon mit 17 Jahren stand er mit Schalke gegen den FC Bayern München auf dem Platz, zwei weitere Bundesligaeinsätze folgten etwas später und auch bei der U-19- und der U-20-Nationalmannschaft war der Mittelstürmer aktiv. Obwohl er erst 22 Jahre alt ist, bringt Reese also schon viel Erfahrung mit. Beim Testspielsieg gegen den rumänischen Meister CFR Cluj zeigte er, was in ihm steckt. Störche-Coach Ole Werner war im Trainingslager beeindruckt von seiner Mannschaft, auch wenn es ein kleines Rätsel bleiben wird, was er mit dem Satz „Sowohl die Köpfe als auch die Beine sind voll“ eigentlich ausdrücken wollte.

Was macht der Herbstmeister?

Werfen wir abschließend noch einen Blick nach oben. Wie sind Herbstmeister Arminia Bielefeld und der HSV für die weitere Rückrunde gerüstet?

DSC-Kapitän Fabian Klos würde unheimlich gerne am Saisonende auf dem Rathausbalkon stehen und den Aufstieg feiern. Erfrischend ehrliche Worte für einen Fußballer. Die Arminia hat sich während der Pause mit Oscar Linnér einen neuen Torwart geholt, das allerdings eher im Hinblick auf den Sommer, wenn die Verträge aller drei bisherigen Keeper auslaufen. Für den Sturm hat sich der Tabellenführer den 18-jährigen Sebastian Müller vom 1. FC Köln geangelt.

Der HSV hat erst die Tage eine 2:5-Pleite gegen den Regionalligisten VfB Lübeck einstecken müssen. Da half es auch nichts, dass Coach Dieter Hecking zur Pause die gesamte Elf einmal austauschte. „So ein Spiel darfst du nicht abliefern“, war er enttäuscht. Positiv für den HSV: Kapitän Aaron Hunt meldete sich nach seinem Bänderriss zurück, außerdem wurde gestern die Ausleihe von Mittelstürmer Joel Pohjanpalo (vorher Bayer Leverkusen) bestätigt. Er ist schon der dritte Neuzugang der Winterpause – auch Mittelfeldakteur Louis Schaub vom 1. FC Köln und Rechtsverteidiger Jordan Beyer von Borussia Mönchengladbach sollen bei der Mission Aufstieg helfen.

Der Fahrplan für die Heidenheimer

Mit einem Kracher kommen der FCH und der VfB nächste Woche aus der Winterpause (MI, 18.30 Uhr). Als nächstes empfangen die Heidenheimer am Sonntag, 2. Februar, den momentanen Tabellenletzten Dynamo Dresden (13.30 Uhr). In der Hinrunde musste sich die Schmidt-Elf Dresden noch mit 1:2 geschlagen geben. Das folgende Auswärtsspiel bestreitet der FCH am Freitagabend, 7. Februar, beim SV Sandhausen (18.30 Uhr). Dann kommt gleich noch ein Freitagabendspiel, am 14. Februar, daheim gegen den 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr). Die weiteste Fahrt der Saison treten die Heidenheimer dann nach Kiel an, dort spielen sie am Samstag, 22. Februar (13 Uhr). Es folgt ein weiteres Auswärtsspiel, allerdings mit deutlich kürzerem Weg, am Samstag, 29. Februar, beim SV Darmstadt (13 Uhr).