Am 17. September 2007 hatte Frank Schmidt – eigentlich nur interimsweise – den Trainerposten bei den Heidenheimer Fußballern übernommen, die Entlassung von Dieter Märkle hatte für einige Unruhe gesorgt und es stand gleich das prestigeträchtige Nachbarschaftsduell bei Normannia Gmünd mit dem damaligen Trainer Alexander Zorniger an.

Das erste Spiel als Trainer beim 1. FC Heidenheim

„Ich war zwar Profi und Kapitän bei Alemannia Aachen, aber es ist schon etwas komplett anderes, auf einmal vor einer Mannschaft zu stehen und zu sagen: Da gehen wir jetzt raus und so machen wir das. Ich werde es nie vergessen: Die kleine Kabine in Gmünd, es war so heiß und ich war schon nervös.“

Am 17. September 2007 hatte Frank Schmidt den Trainerposten beim 1. FC Heidenheim übernommen.
Am 17. September 2007 hatte Frank Schmidt den Trainerposten beim 1. FC Heidenheim übernommen.
© Foto: Rudi Weber

Am Ende stand ein extrem wichtiger 2:1-Sieg für den FCH und für Frank Schmidt der erste Schritt vom Interimstrainer zum Dauerbrenner.

Das war Frank Schmidts schönste Spiel

„Ein einzelnes herauszuheben, ist ungeheuer schwer. Für viele war es ja das DFB-Pokalspiel bei Bayern München – für mich nicht, weil wir es verloren haben. Vielleicht kann man es in Etappen ausdrücken: Als erstes fällt mir der Pokalerfolg über Werder Bremen im Jahr 2011 ein. Das war sensationell und es war das erste Mal, dass sich in der Voith-Arena ‚wildfremde‘ Menschen in den Armen lagen.

Youtube Frank Schmidt im Gespräch über 15 Jahre als Trainer des 1. FC Heidenheim

Dann war da natürlich 2016 das Spiel beim VfB Stuttgart, bei dem mit Tim Skarke ein Heidenheimer das Siegtor geschossen hat. Und dann gibt es noch ein Spiel, dass mit dem Auftritt in München zusammenhängt: Das 2:1 im Februar 2016 über Leverkusen, das uns erst dorthin gebracht hat. Aber ich könnte jetzt noch viele andere Spiele nennen.“

Die schlimmste Niederlage?

„Ich finde schon mal gut, dass ich da lange nachdenken muss“, schmunzelt Schmidt. „Es gab schon ein paar bittere Niederlagen, aber es war Gott sei Dank keine dabei, die für uns existenzgefährdend war“, sagt Schmidt und sieht übrigens das 0:0 gegen Kickers Offenbach, durch das 2013 die Aufstiegsrelegation verpasst wurde, nicht als Tiefpunkt an.

Bisher gab es noch keine Niederlage, die für Frank Schmidt und den FCH existenzgefährdend war.
Bisher gab es noch keine Niederlage, die für Frank Schmidt und den FCH existenzgefährdend war.
© Foto: Räpple

„Nach dem Spiel war es eine bittere Enttäuschung, aber ich glaube heute noch, dass unser Umgang damit, wie Holger Sanwald und ich am Tag danach mit jedem einzelnen Spieler gesprochen haben, ganz wichtig für das Folgejahr und die weitere Entwicklung war.“ Im Jahr darauf gelang ja dann auch der Sprung in die 2. Liga.

Der emotionalste Moment für Frank Schmidt als Trainer

„Das war für mich das Spiel in Elversberg, weil das der Aufstieg in die 2. Liga war. Ich werde nie vergessen: Michael Thurk rote Karte, Philipp Heises Freistoßtor und wie nach dem Abpfiff die Mutter von Smail Morabit ihm ein riesiges Schoko-Ei gebracht hat, mit dem er dann über den Platz gelaufen ist.

Sein emotionalster Moment war für Frank Schmidt als Trainer das Spiel in Elversberg.
Sein emotionalster Moment war für Frank Schmidt als Trainer das Spiel in Elversberg.
© Foto: Eibner

Aber am eindrucksvollsten war für mich: Als wir ankamen, war der Gästeblock voll. Diese Unterstützung auswärts würde ich mir heute auch noch etwas mehr wünschen. Aber natürlich: 12.000 Heidenheimer in München, das war auch etwas ganz Besonderes.“

Der beste Spieler, den Frank Schmidt trainierte

„Schnatti“ – Schmidts Antwort kommt da wie aus der Pistole geschossen und er erklärt: „Über die ganzen 15 Jahre gesehen war es klar Marc Schnatterer. Natürlich waren beispielsweise ein Niklas Dorsch oder Robert Andrich auch absolute Top-Spieler. Aber so etwas wie Marc Schnatterer wird es als Gesamtpaket in Heidenheim nie mehr geben.

Der beste Spieler, den Frank Schmidt je trainierte: Marc Schnatterer.
Der beste Spieler, den Frank Schmidt je trainierte: Marc Schnatterer.
© Foto: Eibner

Weil er in verschiedenen Ligen gespielt hat und immer Leistungsträger war. Weil er unfassbar viele Tore und Scorerpunkte gesammelt hat, weil er mein verlängerter Arm und in der Mannschaft anerkannt war, weil er immer die richtige Einstellung hatte und Niederlagen genauso wenig ausstehen konnte wie ich.“

Die dümmste Frage, die man Frank Schmidt stellen kann

„Eigentlich gibt es keine dummen Fragen, man muss dann eben auch mit meinen Antworten leben. Was natürlich sehr anstrengend ist: Wenn ich als Privatperson unterwegs bin und dann von Menschen, die ich zufällig treffe, zu hören bekomme: Gewinnen wir morgen? Und dann gibt es noch die Steigerung: Morgen müssen wir aber gewinnen.

"Gewinnen wir morgen?" Genau das sollte man Frank Schmidt besser nicht fragen.
„Gewinnen wir morgen?“ Genau das sollte man Frank Schmidt besser nicht fragen.
© Foto: Eibner

Aber was mich richtig geärgert hat: Nach dem zweiten Relegationsspiel gegen Werder Bremen, als wir gerade gescheitert sind, war ich bei einem der vier Fernsehsender, die berichtet haben, und der Reporter sagte: Wir begrüßen den Trainer der TSG Hoffenheim. Und dann hat er noch gelacht…

Die ganz besonderen Geschichten

Da fällt mir das Spiel in der 3. Liga gegen die Stuttgarter Kickers ein. Wir waren 0:3 hinten und haben noch 3:3 gespielt. Michael Thurk als ausgebuffter Profi hat damals genau die Situation erkannt und Guido Buchwald als Trainer der Kickers konnte es nicht fassen.

In seinen 15 Jahren als Trainer hat Frank Schmidt mittlerweile so einige besondere Momente erlebt.
In seinen 15 Jahren als Trainer hat Frank Schmidt mittlerweile so einige besondere Momente erlebt.
© Foto: Eibner

Oder im Aufstiegsjahr beim Spiel in Leipzig, auch da spielte Thurk eine entscheidende Rolle. Wir lagen 0:1 zurück und haben gefühlt keinen einzigen Zweikampf mehr gewonnen. Nach 60 Minuten kam Thurk rein und das erste was er gemacht hat: Er hat sich den Größten von Leipzig ausgesucht und den gefällt. Das war die Wende im Spiel und wir haben durch ein Tor von Mathias Wittek noch 1:1 gespielt.

Der Rekord

Frank Schmidt ist nun 15 Jahre Trainer des FCH, es gab im deutschen Profifußball nur noch einen Trainer mit längere Amtszeit: Volker Finke war 16 Jahre beim SC Freiburg.

Seit 15 Jahren ist Frank Schmidt Trainer des 1. FC Heidenheim - im deutschen Profifußball (fast) einmalig.
Seit 15 Jahren ist Frank Schmidt Trainer des 1. FC Heidenheim - im deutschen Profifußball (fast) einmalig.
© Foto: Archiv

Wenn Schmidt seinen Vertrag (bis 2027) erfüllt, wird er diesen Rekord also brechen. Bedeutet ihm dies etwas? „Überhaupt nicht. Ich habe zwar am Anfang mal gesagt, dass ich mir vorstellen könnte, der Volker Finke von Heidenheim zu werden, aber das war eher im Spaß gemeint. Das zählt für mich nicht und das Jubiläum ist mir im Moment eher unangenehm, denn wir spielen am Sonntag gegen Kaiserslautern. Ich möchte, dass die Mannschaft im Fokus steht und die maximale Aufmerksamkeit bekommt. Mein Jubiläum ist definitiv zweitrangig.“

Auf die nächsten 15 Jahre?

„Nein, das ist nicht denkbar, da wäre ich ja fast schon Rentner. So gerne ich meinen Beruf mache, er kostet auch jede Menge Energie. Viele Trainer machen nach drei, vier Jahren einmal Pause, das hatte ich nicht.“

Weitere 15 Jahre wird Frank Schmidt dem FCH wohl nicht erhalten bleiben.
Weitere 15 Jahre wird Frank Schmidt dem FCH wohl nicht erhalten bleiben.
© Foto: Eibner

Wen er gerne mal trainieren würde

„Schwierig zu sagen, aber es gibt vielleicht tatsächlich einen. Manche sagten schon vor Jahren, seine große Zeit wäre vorbei: Thomas Müller.

Wen Frank Schmidt gerne mal trainieren würde? Thomas Müller.
Wen Frank Schmidt gerne mal trainieren würde? Thomas Müller.
© Foto: Eibner

Ihn würde ich gerne mal trainieren, weil ich einfach Menschen mag, bei denen du das Gefühl hast, dass sie in diesem Profizirkus normal geblieben sind. Das wäre einer, der gut zu uns passen würde. (lacht.)

Was sich Frank Schmidt zu seinem Jubiläum wünscht

Was sich Frank Schmidt zum Jubiläum beim FCH wünscht? Die volle Unterstützung der Fans.
Was sich Frank Schmidt zum Jubiläum beim FCH wünscht? Die volle Unterstützung der Fans.
© Foto: Eibner

„Einfach nur maximale Unterstützung für unsere Mannschaft. Das schönste für mich wäre, nach dem Jubiläum dann am Sonntag, der gleichzeitig mein Hochzeitstag ist, zu Hause gegen Kaiserslautern zu gewinnen.“

Heidenheim

FCH-Trainer Trainer Frank Schmidt: Eine Karriere in Bildern

Bildergalerie FCH-Trainer Trainer Frank Schmidt: Eine Karriere in Bildern