Berlin / Hajo Zenker Körperlich anstrengende Jobs sowie die Psyche lassen Beschäftigte länger ausfallen.

. Zeitarbeiter haben deutlich mehr gesundheitliche Probleme als reguläre Arbeitnehmer. Sie sind länger krankgeschrieben und auch psychisch stärker belastet, wie aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Demnach waren Zeitarbeitnehmer 2019 im Schnitt 20,6 Tage krankgeschrieben – sechs Tage oder rund 40 Prozent mehr als bei Nichtzeitarbeitern. Das ergab die Auswertung der Daten von rund 72 000 bei der TK versicherten Teilzeitarbeitern.

Grund für die hohe Anzahl von Fehltagen seien vor allem die körperlich belastenden Jobs in Lager, Logistik und Transport, in denen Zeitarbeiter überdurchschnittlich häufig beschäftigt seien. Das erkläre auch, warum es doppelt so viele Krankschreibungstage wegen Arbeitsunfällen gebe wie sonst üblich, sagt Thomas Grobe vom Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen. Aber auch die Psyche leide. Das zeige sich etwa am „überdurchschnittlich hohen Verordnungsvolumen von Antidepressiva“. Zeitarbeitnehmer erhielten 23 Prozent mehr Psychopharmaka pro Kopf als anderweitig Beschäftigte.

In einer zusätzlich durchgeführten Befragung von mehr als 1400 Zeitarbeitnehmern attestierten sich 53 Prozent einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand, bei regulär Beschäftigten waren es dagegen 70 Prozent. So bewertete jeder vierte Zeitarbeitnehmer sein psychisches Wohlbefinden als „weniger gut“ oder „schlecht“. Laut Hannah Tendyck vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung zählen zu den Hauptbelastungsfaktoren eine schlechte Arbeitshaltung, Lärm, Schichtarbeit, lange Anfahrtswege. „Aber auch ‚weiche‘ Faktoren wie geringe Einfluss- und Entscheidungsspielräume in Bezug auf ihre Arbeitsplatzsituation sowie der Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten werden von den Zeitarbeitern als belastend wahrgenommen.“

Und die Lage dürfte sich durch Corona noch verschlimmern, fürchtet TK-Chef Jens Baas. Denn Zeitarbeiter seien „naturgemäß die Ersten, die ein Unternehmen bei wirtschaftlichen Engpässen verlassen müssen. Das kann sich negativ auf das psychosoziale Befinden auswirken und vorhandene Probleme verstärken“. hz