Berlin / Nina Jeglinski Muttersauen werden in Ställen gehalten, die so eng sind, dass sie sich nicht umdrehen können. Die Bundesregierung will das ändern – der Bundesrat fordert mehr Ehrgeiz. 

Die Bundesregierung will die umstrittene Kastenhaltung von Schweinen reformieren. Über eine Änderung der Verordnung sollte vergangene Woche im Bundesrat abgestimmt werden. Doch das brisante Thema wurde vertagt.

Worum geht es? In den sogenannten Kastenständen können sich die Muttersauen nur wenig bewegen. Sie sind so eng eingepfercht, dass nur ein Schritt nach vorne oder hinten geht, ein Umdrehen ist nicht möglich. So soll verhindert werden, dass die großen Schweine nach der Geburt ihre Ferkel erdrücken. Bisher ist es üblich, die Sauen bis zu 35 Tage rund um das sogenannte Abferkeln im Kastenstand zu fixieren. Mit der vom Bundeslandwirtschaftsministerium eingebrachten neuen Verordnung soll diese Zeit auf fünf Tage reduziert werden. Danach sollen Mutterschwein und Ferkel auch auf mehr Platz gehalten werden als bisher. Allerdings gilt für diese Regelung eine Übergangszeit von 15 Jahren, in Ausnahmefällen 17 Jahren.

Was sieht der Entwurf der Bundesregierung vor? Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geplante Verordnung sieht lange Übergangsfristen vor. Der Agrarausschuss des Bundesrates hatte auf 43 Seiten Änderungsanträge zu dem Verordnungsentwurf formuliert, der Umbau der Kastenstände sollte demnach nach fünf Jahren abgeschlossen sein. Als umstritten galten zudem Empfehlungen des Agrarausschusses zum Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern, eine verpflichtende Haltung von Kälbern auf Gummimatten, eine Regelung zur Haltung von Junghennen, Elterntieren von Legehennen und Masthühnern.

Was fordern die Kritiker? Der Deutsche Bauernverband (DBV) befürchtet, dass die deutlich höheren Kosten das Aus für viele Schweinezüchter und Tierhalter bedeuten. Weniger Tierhaltung in Deutschland bedrohe Arbeitsplätze auch im vor- und nachgelagerten Bereich, ein kompletter Wirtschaftszweig würde ins Ausland abwandern, hieß es. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, den Tierschutz aus der Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums zu nehmen. Es brauche eine Schnittstelle Tierschutz, ähnlich der der Digital-Staatssekretärin im Kanzleramt, hieß es. Das Thema sei der Bevölkerung wichtig, es sei nicht mehr zu rechtfertigen, dass der Tierschutz nur eine Unterabteilung im Landwirtschaftsministerium darstelle.

Wie geht es weiter? Welche Vorschläge mehrheitsfähig im Bundesrat sind, entscheidet sich in einer der folgenden Sitzungen, die nächste findet am 13. März statt. Vorerst liegt der Ball jetzt wieder im Agrarausschuss der Länderkammer. 

Zwischen Eglingen und Amerdingen erweitert Familie Urban ihren Schweinemastbetrieb. Das von der EU geförderte Projekt soll Tierwohl und Wirtschaftlichkeit vereinen.