. Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus? US-Präsident Donald Trump hofft, noch vor der Wahl am 3. November, denn das könnte seine Wiederwahl-Chancen verbessern. Deshalb macht Trump Druck auf die Arzneimittelbehörde FDA. Diese hatte immer wieder betont, keinen Impfstoff zuzulassen, der nicht alle drei Phasen der Erprobung durchlaufen hat. Erst danach könne es ein Eil-Genehmigungsverfahren geben. Die Phase III ist die aufwendigste Etappe. Hier werden Tausende geimpft. Nun aber erklärte es FDA-Chef Stephen Hahn für denkbar, einen Impfstoffs vor Abschluss der finalen Testphase zuzulassen.

Trump wandelt damit auf den Pfaden Russlands und Chinas. Moskau hatte am 11. August das Vakzin des Gamaleya-Zentrums zugelassen, obwohl Phase III noch aussteht. In China hatte das Militär bereits am 25. Juni die Erlaubnis erhalten, Soldaten einen vom Institut der Volksbefreiungsarmee entwickelten Impfstoffkandidaten zu injizieren.

Überall läuft die Jagd nach einem Impfstoff auf Hochtouren. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind 183 Projekte angelaufen, acht davon sind rein deutsche Vorhaben, an weiteren sechs sind hiesige Forscher beteiligt. Bei sechs Projekten, aus England, China und den USA, ist man regulär im letzten Erprobungsstadium, also in Phase III, angekommen.

Unklare Immunität

Laut vfa würde ein idealer Impfstoff bei jedem Geimpften bei wenigen, milden Nebenwirkungen einen vollständigen, lebenslangen Schutz erzielen. „Kein Impfstoff wird jedoch dieses Idealziel vollumfänglich erfüllen können“, betont der Verband. Was etwa daran liegt, dass unklar ist, wie lange die Immunität anhält.

Der Bericht Hongkonger Forscher, dass sie erstmals eine erneute Corona-Ansteckung bei einem seit Längerem genesenen Patienten nachweisen konnten, spricht gegen lebenslangen Schutz. Zumal es nun noch zwei Fälle aus Belgien und Holland gibt, wo dies nachgewiesen wurde. Für Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Uni Genf, ist das ein Beleg dafür, dass die – etwa in Schweden propagierte – natürliche Herdenimmunität nach dem Motto „Wenn alle irgendwann infiziert waren, sind alle immun und das Virus verschwindet“, nicht funktioniert. Laut John Ziebuhr, Chef der Virologie der Uni Gießen, darf man nicht darauf hoffen, „dass das Problem gelöst ist, wenn alle einmal durchgeimpft sind“. Für den Immunologen Rudolf Valenta von der Medizin-Uni Wien aber wäre „eine Auffrischung halbjährlich oder jährlich kein Drama“. Regelmäßiges Impfen kenne man ja auch von anderen Krankheiten. Hajo Zenker