Washington/Minneapolis / Peter DeThier mit dpa Die Proteste gegen Polizeiexzesse und Rassismus werden immer lauter und aggressiver. Autos brennen, Geschäfte werden geplündert. Vielerorts gibt es Festnahmen.

Die USA kommen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz nicht zur Ruhe. In der Großstadt Minneapolis, wo der 46-Jährige zuhause war, gab es die sechste Nacht in Folge Proteste. Wieder schlugen sie in Gewalt um. Zu ähnlichen Szenen kam es am Wochenende auch in anderen Metropolen wie Los Angeles, San Francisco, Las Vegas, Atlanta, Washington  und New York. Mindestens 40 Städte verhängten nächtliche Ausgangssperren, darunter auch Washington.

Laut dem TV-Sender CNN musste Präsident Donald Trump wegen Protesten vor dem Weißen Haus sogar für eine Stunde in einen Bunker gebracht werden. Auf Twitter machte er am Sonntag erneut linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich. Er will die linksgerichtete Gruppe Antifa als Terrororganisation einstufen lassen.

In Minneapolis, wo der 46-Jährige Floyd vor einer Woche nach seiner Festnahme gestorben war, fuhr ein Tankwagen auf einer Autobahn mit tausenden Demonstranten in eine Menschenmenge. Der Fahrer sei festgenommen worden, hieß es.

Nach einer Demonstration in New York kam es zu zahlreichen Festnahmen. Unter den Festgenommenen war eine Tochter von Bürgermeister Bill de Blasio. Auf Fernsehbildern waren brennende Fahrzeuge etwa in Boston und Plünderungen in Philadelphia zu sehen. In Boston wurden nach Angaben der Polizei sieben Einsatzkräfte verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Es habe etwa 40 Festnahmen gegeben.

    Auch in Chicago und Los Angeles ließen die Massen ihrem Zorn freien Lauf. Sie schlugen mit Stöcken und Ziegelsteinen Fenster ein, kippten Autos um und zündeten Streifenwagen an. In Ferguson, Missouri, wurde die Polizeihauptwache schwer beschädigt. „Niemand sollte jemals Michael Brown vergessen!“ schrie ein junger Schwarzer mit erhobenem Arm und geballter Faust. Vor sechs Jahren hatte dort der Tod des unbewaffneten schwarzen Teenagers, den ein Polizist ohne erkennbaren Grund erschossen hatte, ebenfalls landesweite Unruhen ausgelöst.

    In Washington, wo Hunderte unweit des Weißen Hauses vor Wut kochten, kniete James Harrington auf der Straße und hielt ein Schild mit den Worten „Ich kann nicht atmen“. Exakt, was Floyd mehrmals wiederholt hatte, als der weiße Polizist Derek Chauvin sich weigerte, den Würgegriff zu lockern. Mehr als 60 Beamte des Sercret Service, der für die Sicherheit des Präsidenten zuständig ist, wurden bei den Zusammenstößen verletzt. Chauvin wurde mittlerweile verhaftet und wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Peter DeThier (mit dpa)

Kommentar