Brüssel / Christian Kerl Die neue Kommissionspräsidentin will mit ihren 26 Kommissaren Klimaschutz und Digitalisierung voranbringen. Fast die Hälfte der Kommissare sind Frauen, einer ist erst 28 Jahre alt.

Die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die entscheidenden Weichen für ihren Amtsantritt Anfang November gestellt: In Brüssel präsentierte die 61-Jährige ihr Team mit 26 Kommissaren aus den EU-Mitgliedstaaten – es ist praktisch eine Art große EU-Regierung.

Ihr Team ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Sie ist selbst die erste Frau auf dem Chefposten in der Geschichte der EU – und nun wird erstmals die EU-Kommission fast zur Hälfte mit Frauen besetzt sein, das Verhältnis liegt mit von der Leyen bei 13 Frauen zu 14 Männern. Der älteste Kommissar wird der Außenbeauftragte Josep Borrell (72). An Bord ist mit dem erst 28-jährigen litauischen Wirtschaftsminister Virginjius Sinkevicius (Grüne) aber auch der jüngste EU-Kommissar aller Zeiten mit dem Ressort Umwelt. Die regierungserfahrene Präsidentin stützt sich jetzt auf drei herausgehobene Vizepräsidenten, zum Machtzentrum zählen daneben eine Handvoll wichtiger Kommissare.

Der Niederländer Frans Timmermans (58) betreut im „Team Ursula“ den „europäischen grünen Deal“ und die Klimapolitik, das zentrale Feld, mit dem von der Leyen schnell punkten will. Timmermans spricht sieben Sprachen und hat im Europawahlkampf selbst für den Präsidentenposten kandidiert.

Die Dänin Margrethe Vestager (51) wird als Vizechefin die Digitalisierung betreuen. Sie behält zugleich ihre Aufgabe als Wettbewerbskommissarin, in der sie sich mit mutigen Entscheidungen gegen Internet-Konzerne wie Google oder Facebook viele Sympathien erworben hat.

Der lettische Christdemokrat Valdis Dombrovskis (48) wird als dritter herausgehobener Vize-Chef den großen Bereich Wirtschaft verantworten. Er war schon in der jetzigen Kommission Vizepräsident.

Der spanische Außenminister Josep Borrell (72) wird EU-Außenbeauftragter und damit ein weiterer Vizechef. Borrells Nominierung stößt auch auf Kritik, im EU-Parlament wird er wohl gegrillt: Er äußert sich gern mal undiplomatisch, hat sich im Katalonienkonflikt Gegner gemacht.

Die Französin Sylvie Goulard (54) bekommt das prestigeträchtige Ressort Binnenmarkt, verknüpft mit stärkerer Kompetenz für Verteidigung und Weltraum. Die Liberale Goulard ist eine Vertraute von Frankreichs Präsident Macron und bekannt als glühende Europäerin.

In den kommenden Wochen werden alle Nominierten in den Ausschüssen des Parlaments angehört, Ende Oktober muss es die Kommission bestätigen. Einzelne Anwärter könnten bis dahin noch ausgetauscht werden. Vorbehalte gibt es vor allem gegen die Nominierten aus Ungarn, Polen und Rumänien. Christian Kerl