Weniger als acht Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA häufen sich die Skandale um Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Gegner Joe Biden lässt keine Gelegenheit aus, daraus politisches Kapital zu schlagen. Nachdem der Präsident über abschätzige Aussagen gestolpert war, die er über gefallene US-Soldaten gemacht hatte, wurde nun bekannt, dass Trump, der die Corona-Krise seit Februar schönzureden versucht, schon damals wusste, wie gefährlich das Virus ist.

Der frühere Vizepräsident nahm kein Blatt vor den Mund. Trump habe „genau gewusst, wie tödlich das Coronavirus ist, und er hat es bewusst heruntergespielt, schlimmer noch, er hat monatelang darüber gelogen, welche Gefahr es für die Nation darstellt“ wetterte Biden. Vor Automobilarbeitern in Michigan, einem heiß umkämpften Staat mit vielen Wechselwählern, geißelte er dies als „lebensgefährlichen Betrug am amerikanischen Volk“.

Anlass ist ein Buch des Enthüllungsjournalisten Bob Woodward, der vor 46 Jahren durch den Watergate-Skandal bekanntgeworden war. In seinem neuen Werk „Rage“ stützt sich Woodward auf insgesamt 18 Interviews, die er in den vergangenen Monaten mit Trump geführt und mit einem Audiorekorder aufgezeichnet hatte.

„Trottel und Verlierer“

In einem Gespräch am 7. Februar beschreibt Trump das Coronavirus als „tödliches Zeug, tödlicher, als Ihr ahnt“ und gefährlicher als „selbst starke Grippen“. Er berief sich dabei auf ein Telefonat, das er kurz zuvor mit Chinas Präsident Xi Jinping geführt hatte. In einem weiteren Interview mit Woodward, das am 19. März stattfand, räumte der Präsident dann ein, die Pandemie bewusst verharmlost zu haben. „Ich wollte die Sache immer herunterspielen und tue das auch gern weiterhin“ rechtfertigte er sich. Schließlich wolle er „keine Panik auslösen“.

Im Februar hatte Trump nach dem ersten Interview noch gesagt, dass die Zahl der Infektionen „bald auf null sinken“, und das Virus, welches er mit einer Grippe verglich, „einfach verschwinden“ werde. Zudem war er in den Monaten danach bemüht, trotz deutlich steigender Krankenzahlen und Todesfälle die vorzeitige Öffnung der Wirtschaft zu forcieren. Davon, dass die Verharmlosung Leben gefordert haben könnte – bis heute starben in den USA mehr als 190 000 Menschen an den Folgen des Virus –, will der Präsident nichts wissen: „Ich bin ein Cheerleader für die Nation, und wir müssen Führungsstärke zeigen.“

Zuletzt hatte der Präsident gefallene US-Soldaten als „suckers and losers“ – Trottel und Verlierer – verspottet. Darauf büßte Trump in Wählerumfragen deutlich ein und liegt in einigen Befragungen nun mit mehr als zehn Prozentpunkten Rückstand hinter Biden. Peter DeThier

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