Washington / Peter DeThier Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners gehen die Proteste im Land weiter. Die Kritik am Umgang Trumps mit den Demonstranten wächst. Twitter sperrt ein Video des Präsidenten.

Elf Tage nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd dauern die Unruhen und Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA an. Bei einer bewegenden Trauerfeier in Minneapolis gedachten prominente Bürgerrechtler, Politiker, Freunde und Familienangehörige des „sanften Riesen“, wie Freunde den 46-Jährigen nannten.

Auf dem Campus der North Central University in Minneapolis, unweit jener Straßenecke, an der Floyd gestorben war, beugte sich der Prediger und frühere Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson über Floyds goldenen Sarg und betete. Ihm folgte Senatorin Amy Klobuchar, die als mögliche Kandidatin für die Vizepräsidentschaft unter dem Demokraten Joe Biden gehandelt wird. Auch der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, kniete vor dem Sarg nieder.

Virtuell schalteten sich Hollywoodstars, NBA-Basketballer und andere Prominente dazu. Landesweit wurde ein 8 Minuten und 46 Sekunden langer Schweigemoment eingelegt. So lange hatte der weiße Polizist Derek Chauvin auf Floyds Hals gekniet. Gegen ihn wurde Anklage wegen Totschlags erhoben. Drei weitere Polizisten werden der Mittäterschaft beschuldigt.

Die politischen Spannungen in den USA nehmen weiter zu. Nach mehreren Generälen übten auch Republikaner Kritik an Präsident Donald Trumps rabiatem Umgang mit den größtenteils friedlich verlaufenden Demonstrationen. Unter anderem lobte Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska die scharfe Kritik am Präsidenten, die zuvor sein ehemaliger Verteidigungsminister James Mattis geübt hatte. Dieser hatte Trump Unreife sowie mangelnde Führungsqualitäten vorgeworfen und gemeint, Trump würde die Nation weiter spalten. Die republikanische Senatorin sagte, dass „ich nicht weiß, ob ich im November für den Präsidenten meine Stimme abgeben kann“.

Vorwurf der Zensur

Unterdessen hat der Kurzbotschaftendienst Twitter ein Video gesperrt, das Trumps Wahlkampfteam über die Proteste nach dem Tod Floyds veröffentlicht hatte. Anstelle des Videos auf dem Konto von „Team Trump“ erschien der Hinweis, das Video sei wegen „einer Meldung eines Urheberrechtsinhabers deaktiviert“ worden. Trumps Team warf Twitter daraufhin vor, die „aufrichtende und vereinigende Botschaft“ des Präsidenten zu „zensieren“.

Trump nutzt Twitter ausgiebig. Zuletzt gab es aber offenen Streit zwischen ihm und der Plattform: Twitter hatte kürzlich erstmals eine Botschaft Trumps wegen „Gewaltverherrlichung“ hinter einem Warnhinweis versteckt. In dem Tweet hatte Trump mit Verweis auf die Anti-Rassismus-Proteste geschrieben: „Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen.“
Peter DeThier (mit afp)