Genf / Jan Dirk Herbermann Amerikaner wollen mitten in der Corona-Krise einen Umbau der Weltgesundheitsorganisation erzwingen.

US-Präsident Donald Trump macht ernst. Er droht mitten in der Corona-Pandemie der angeschlagenen Weltgesundheitsorganisation mit einem endgültigen Stopp der US-Zahlungen und dem Rückzug der USA. Zwar gewährt Trump der WHO und ihrem überforderten Generaldirektor Tedros noch eine Galgenfrist von 30 Tagen für tiefgreifende Reformen. Doch in dieser kurzen Zeitspanne lässt sich die schwerfällige Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit 194 Mitgliedsländern kaum umbauen.

Die USA werden die Tür zur WHO wohl zuschlagen. Mit einem lauten Knall. Damit verliert die wichtigste globale Gesundheitsinstitution ihren größten Geldgeber und ihre langjährige Führungsmacht, die den globalen Kampf gegen Killerkrankheiten wie Malaria und Aids immer vorantrieb. Der WHO-Haushalt für 2020 und 2021 beträgt 4,8 Milliarden US-Dollar. Weit mehr als zehn Prozent davon, 553 Millionen US-Dollar, sollen eigentlich die USA schultern.

Trump wirft der WHO und Tedros „extrem kostspielige Fehler für die Welt“ in der Bekämpfung des Corona-Ausbruchs vor. Einige zentrale Vorwürfe Trumps treffen durchaus zu. So verfolgte Tedros gegenüber dem Corona-Ursprungsland China, das den Ausbruch lange vertuschte, einen Schmusekurs.

Gefährliches Vakuum

Tedros lobte Peking für dessen angebliche „Transparenz“ und zögerte Ende Januar tagelang, bevor er endlich den internationalen Gesundheitsnotstand ausrief.

Trumps WHO-Politik birgt aber unkalkulierbare Risiken. Denn ein US-Rückzug aus der WHO dürfte China in die Hände spielen. Das Riesenreich strebt immer offener eine globale Dominanz an. Es wird alles daransetzen, in das Vakuum vorzustoßen, das die USA hinterlassen werden. Jan Dirk Herbermann