Athen/Ankara / Gerd Höhler Trotz wiederholter Kritik der EU setzt die Regierung in Ankara die Erdgassuche im Mittelmeer fort.

Der Gasstreit im östlichen Mittelmeer flammt wieder auf. Dabei hatte die Türkei auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erst vor vier Tagen ihre Erdgas-Explorationen in der griechischen Wirtschaftszone ausgesetzt. Ein Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte am vergangenen Montag angekündigt, auf Weisung des Staatschefs werde die Türkei ihre geplanten Erdgaserkundungen vor der griechischen Insel Kastelorizo „für eine Weile auf Eis legen“.

Die USA und die Europäische Union hatten die türkischen Pläne zuvor als völkerrechtswidrig verurteilt, Brüssel bereitete Sanktionen vor. Auf dem Höhepunkt der Krise ließen Griechenland und die Türkei vergangene Woche Dutzende Kriegsschiffe auffahren. Kanzlerin Merkel gelang es, Erdogan zum Einlenken zu bewegen. Sie will versuchen, die Türkei und Griechenland an den Verhandlungstisch zu bringen, um ihren jahrzehntealten Streit um die Wirtschaftszonen und Bodenschätze im Mittelmeer friedlich beizulegen.

Streit um Bodenschätze

Jetzt muss sich die Kanzlerin düpiert vorkommen. Das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“, das vor Kastelorizo nach Gas suchen sollte, liegt zwar weiterhin bei Antalya vor Anker. Dafür schickte Erdogan die „Barbaros Hayreddin Pasa“ nach Zypern. Am Donnerstag befand sich das Schiff innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone, die der Inselstaat unter Berufung auf die Uno-Seerechtskonvention ausgewiesen hat. Zyperns Staatspräsident Nikos Anastasiades forderte, die EU müsse „jetzt endlich eine klare Haltung einnehmen und die geeigneten Strafmaßnahmen gegen die Türkei verhängen“.

Die Türkei macht dem Inselstaat  seit Jahren die Bodenschätze streitig. Sie beruft sich auf ihre Rolle als Schutzmacht der Zyperntürken, die im besetzten Norden leben. Den EU-Staat Zypern und seine Wirtschaftszone erkennt die Türkei nicht an.

Gerd Höhler