Berlin /   Politiker warnen vor Verschwörungstheorien, sehen aber auch Diskussionsbedarf. Die Bischofskonferenz distanziert sich von einem Schreiben, das gezielte Angstmache unterstellt.

In mehreren Städten haben haben am Wochenende tausende Menschen gegen die Corona-Auflagen demonstriert. Auf dem Alexanderplatz in Berlin kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizeibeamten. Bei der nicht angemeldeten Demonstration wurden Flaschen  geworfen und Polizisten  attackiert. 86 Menschen wurden vorübergehend festgenommen.

In München versammelten sich nach Angaben der Polizei etwa 3000 Menschen am Marienplatz, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren. Da die Teilnehmerzahl deutlich höher gewesen sei als die angemeldeten 80 Teilnehmer, sei die Einhaltung des Mindestabstands zwischen den Demonstranten nicht möglich gewesen, teilte die Polizei mit. Aufforderungen zur Auflösung kamen die Demonstranten nicht nach, der Einsatzleiter entschied sich dennoch gegen eine Räumung. Von der Stuttgarter Polizei hieß es, eine Großkundgebung der Initiative Querdenken 711 mit mehreren tausend Demonstranten sei „größtenteils friedlich“ verlaufen.

Politiker warnen vor einer Zunahme von Verschwörungstheorien in der Corona-Krise. „Die Vorstellung, dass die Pandemie bewusst herbeigeführt wurde, um das Volk zu kontrollieren, und dahinter Bill Gates oder andere vermeintlich finstere Mächte stecken, reicht bis weit in die Mitte der Gesellschaft“, sagte der Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) dem „Spiegel“. Auch einige der Demonstrationen auf den Straßen bereiten dem derzeitigen Vorsitzenden der Innenministerkonferenz (IMK) Sorgen. „Wenn Menschen Kritik üben, ist das selbstverständlich in Ordnung“, so Maier: „Was uns alarmiert, ist der Versuch von Extremisten, die Proteste zu kapern.“ Er will das Thema daher auf die Tagesordnung der nächsten IMK setzen. CDU-Innenexperte Armin Schuster rief zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Corona-Protestgruppen auf. „Diese Gruppen als Spinner abzutun, greift mir zu kurz“, sagte er.

Auf Abstand zu Kardinal Müller

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich von einem Schreiben gegen Corona-Beschränkungen distanziert, das auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller unterzeichnet hat. In dem Schreiben heißt es: „Es sind Tatsachen, dass unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt wurden (...).“ Man habe Grund zu der Annahme, dass es Kräfte gebe, deren Ziel es sei, dauerhaft „Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen (...)“ durchzusetzen. afp,dpa,kna

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