kna Ein seit Jahren andauernder Regenmangel wirkt sich in dem Land immer stärker aus. Die Tiere der Landwirte sterben. Wasser wird rationiert.

Rettet das Schaf“ – das ist in Südafrika kein Aufruf von Tierschützern, sondern ein Gebot für das Überleben. Seit sechs Jahren schon hat es in Teilen Südafrikas nicht mehr normal geregnet. Die Schafe, das wirtschaftliche Rückgrat für die Menschen in der Karoo-Halbwüste, verhungern auf dem Feld. Viele Farmer in Südafrika sind in einer verzweifelten Lage. „In den letzten sechs Wochen hatten wir vier Herzinfarkte unter Farmern, einer davon tödlich. Es ist purer Stress“, sagte Hester Obermeyer, Organisatorin der Kampagne „Save the Sheep“, einer lokalen Zeitung.

Mit der Kampagne für ihre Schafe wollen die hartgesottenen Farmersfrauen das Problem anpacken. In mittlerweile 75 Dörfern backen sie Kekse, basteln kleine Souvenirs und häkeln Schafspuppen. Von den Einkünften wird Futter gekauft. Das sichert das Überleben. Doch am Problem der Trockenheit ändert das nichts.

„Wenn der Fluss noch da wäre, hätte Dad es nicht getan“, verabschiedete ein achtjähriger Farmerjunge in Sutherland, einer Kleinstadt in der Karoo, vor zwei Jahren seinen Vater. Der Mann hatte Suizid begangen, da er weder seine Herde noch seine Familie ernähren konnte. Sein Schicksal teilten mindestens neun weitere Bauern in Südafrika seit 2014, weiß die Hilfsorganisation „Gift of the Givers“.

„Die Dürre legt alles lahm, überall sterben Tiere, Schafe lassen ihre neugeborenen Lämmer zurück, und das Trinkwasser der Menschen ist stark eingeschränkt“, sagt Gründer Imtiaz Sooliman. Die Herden vieler Farmer schrumpften unterdessen auf ein Drittel. „Man muss sich ein Szenario vorstellen, in dem ein Farmer, der 30 Jahre für sich selbst sorgen konnte, jetzt für eine Essensration anstehen muss“, zitiert die Zeitung „Sunday Times“ einen Betroffenen. Jeder zweite Landwirt in Südafrika leidet einer Umfrage zufolge wegen der Dürre an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen.

Der Beton-Dschungel von Johannesburg mit seinen modernen Hochhäusern scheint zwar wie eine andere Welt verglichen mit der endlosen Steppe der Karoo. Doch auch in den Metropolen der Kaprepublik spürt man die Trockenheit. In Johannesburg und der Hafenmetropole Port Elizabeth schränken „water restrictions“ den Zugang zum Wasser ein.

In der Diamantenstadt Kimberley wurde zunächst nur über Nacht die Wasserzufuhr der Häuser gekappt. Jetzt fließt bereits um zwei Uhr nachmittags der letzte Tropfen, ehe die Leitungen erst am nächsten Morgen wieder Wasser liefern. In der Provinz Freistaat haben Berichten zufolge knapp eine Million Bewohner aufgrund der Dürre keine direkte Wasserversorgung mehr. Sie sind dazu übergegangen, wie bereits Generationen vor ihnen, eine Stunde lang mit Kanistern zur nächsten Wasserquelle zu wandern.

Vergangenen Montag trat die für Wasser und Wohnungsbau zuständige Ministerin Lindiwe Sisulu vor die Kameras, um die Einwohner von Johannesburg zu beruhigen. Die Regierung schenke dem Problem „höchste Aufmerksamkeit“. Es werde zu keiner Wasserkrise kommen wie in Kapstadt, wo vor zwei Jahren die Auffangbecken komplett auszutrocknen drohten – wenn die Bewohner jetzt anfingen, Wasser zu sparen. „Der weltweite Klimawandel ist Realität, und in Südafrika macht er sich auf diese Weise bemerkbar“, so die Politikerin.

Beobachter aber machen die Regierung für das Problem mitverantwortlich. So hätten die Stadtplaner „seit Jahrzehnten“ gewusst, dass die Wasservorräte in der Region um Johannesburg nicht mit der wachsenden Bevölkerung mithalten könnten, meint der südafrikanische Umweltjournalist Sipho Kings. Andere Experten unterstellen der Regierung „Inkompetenz“, wenn es um Notmaßnahmen und die Aufrechterhaltung von Wasserleitungen gehe. Ministerin Sisulu jedenfalls kündigte an, im November einen „Masterplan“ vorzulegen, um der Misere zu entkommen.

Markus Schönherr, kna

Viele Arbeitsplätze sind gefährdet

Auch für andere Landesteile im Schwellenstaat Südafrika, dessen Politik durch die Korruptionsskandale der vergangenen Jahre angeschlagen ist, sind die Auswirkungen der Dürre verheerend. Experten sehen etwa eine Million Arbeitsplätze in der Landwirtschaft in Gefahr. Zudem steigt die Ernährungsunsicherheit. Bereits jetzt liegt die Arbeitslosigkeit bei 29 Prozent, und jeder zweite Südafrikaner lebt in Armut. dpa