Berlin / Mathias Puddig Noch immer können keine Überbrückungshilfen beantragt werden. Auch wer sie bekommt, ist unklar.

Studierende, die durch die Corona-Krise in Notlagen geraten sind, etwa weil sie ihren Nebenjob verloren haben, müssen weiter auf die angekündigten Nothilfen warten. Der 8. Juni als Termin für den Antragsstart ist bereits verstrichen. Zudem sind die genauen Kriterien für die Vergabe der Hilfen unklar, wie aus einer Antwort des Bundesbildungsministerium an den Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg (FDP) hervorgeht. In dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, sind kein Auszahlungsdatum und auch keine Kriterien genannt. „Ich habe langsam den Eindruck, dass Frau Karliczek so lange wartet, bis die Pandemie vorbei ist und sie nicht mehr helfen muss. Aber dann erledigt sie ihren Job nicht“, sagte Bildungspolitiker Brandenburg.

Für viele Studierende hat sich die finanzielle Situation seit Beginn der Corona-Krise massiv verschlechtert. Einer Umfrage zufolge haben vier von zehn Studierenden ihren Job verloren. 22 Prozent der Befragten seien nicht mehr in der Lage gewesen, ihre Miete und Rechnungen wie gewohnt zu zahlen. Schon seit Wochen drängen SPD und Opposition sowie verschiedene Verbände das Bildungsministerium zu mehr Hilfe. In der vergangenen Woche demonstrierten Studierende in sechs Städten für Unterstützung. „Frau Karliczek hat den Ernst der Lage nicht erkannt“, sagte Brandenburg. „Dabei ist die Lage seit Mitte März sehr angespannt.“

Das Geld steht indes schon bereit. 110 Millionen Euro sind eingeplant. Jeder Studierende soll bis zu drei Monate jeweils maximal 500 Euro erhalten können. Die Anträge sollen über die Studentenwerke gehen, die zuvor die Software entwickeln müssen. Studentenwerk-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde sagte dem Deutschlandfunk: „Es wird im Juni noch ausgezahlt werden, wenn es jetzt nicht noch technische Probleme gibt.“

Studierendenvertreter wie der Freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) sind allerdings nicht nur mit der Verspätung, sondern auch mit der Ausgestaltung der Hilfen unzufrieden. Den 110-Millionen-Euro-Topf halten sie für zu klein, die Summe von 500 Euro pro Monat für zu gering. Für kommende Woche rufen sie erneut zu Demonstrationen auf. Mathias Puddig