Berlin / André Bochow Die Partei ringt drei Monate vor ihrem Bundesparteitag mit Sektierern und einer schlechten Außenwirkung.

Jörg Schindler, Bundesgeschäftsführer der Linken hat radikale Stellungnahmen aus seiner Partei als Einzelfälle bezeichnet. Die seien „in der vergangenen Woche wiederholt skandalisiert worden“.  Schindler verwies auf den pluralistischen Charakter seiner Partei.

Die Linkspartei war in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein Video ihrer Kasseler Strategiekonferenz veröffentlicht wurde, auf der eine Genossin scherzhaft von  Erschießungen „der ein Prozent Reichen“ im Land gesprochen hatte. Parteichef Bernd Riexinger wies dieses Ansinnen zurück und versicherte gleichzeitig,  die Reichen würden „einer nützlichen Tätigkeit“ zugeführt. Beide Äußerungen hatten für Empörung und für eine „Aktuelle Stunde“ im Bundestag gesorgt. Dort distanzierte sich die Ko-Vorsitzende der Linken, Katja Kipping,  von den Bemerkungen. Kipping bat „erneut alle um Entschuldigung, die unter der Mauer gelitten haben“.

Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag kritisierte  die Strategiekonferenz.  „Bernd Riexinger hat sich für seine falsche Reaktion entschuldigt“, sagte Bartsch. Es seien „allerdings Äußerungen gemacht worden, die für mich inakzeptabel sind. Für Gewaltphantasien und eine Verächtlichmachung des Deutschen Bundestages habe ich keinerlei Verständnis.“  Unter anderem vertrat, Tim Fürup, Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel  die Ansicht, man müsse den „parlamentsfixierten Abgeordnetenbetrieb schwächen“  und in den Volksvertretungen die  „Staatsknete abgreifen“.  Jörg Woitas, ein weiterer Teilnehmer der Strategiekonferenz, zieht sogar eine „Querfront“, also ein Bündnis mit rechtsnationalistischen Kräften wie der AfD, in Erwägung. Mit dieser Auffassung sei Woitas in der Partei völlig isoliert, sagte Bundesgeschäftsführer Schindler.  Dietmar Bartsch dagegen  will nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen.  „Diese Konferenz hat uns geschadet“, so Bartsch.  „Wie damit umzugehen ist, müssen zunächst die beiden Parteivorsitzenden erklären.“ André Bochow