Berlin / afp/dpa Zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges  fordert der deutsche Bundespräsident einen selbstkritischen und geschichtsbewussten Patriotismus.

Zum 75. Jahrestags des Kriegsendes hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Deutschen zu einem selbstkritischen und geschichtsbewussten Patriotismus aufgerufen. „Man kann dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben“, sagte Steinmeier in seiner Ansprache an der Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik in Berlin. „Die deutsche Geschichte ist eine gebrochene Geschichte – mit der Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid. Das bricht uns das Herz.“

Die Deutschen müssten ihrer Geschichte „ins Auge sehen“, mahnte der Bundespräsident. „Weil wir die historische Verantwortung annehmen, haben die Völker der Welt unserem Land neues Vertrauen geschenkt – und deshalb dürfen auch wir selbst uns diesem Deutschland anvertrauen.“ Darin sehe er einen „aufgeklärten, demokratischen Patriotismus“, sagte Steinmeier.

Telefonat mit Putin

Zu der Zeremonie an der Neuen Wache versammelten sich die Repräsentanten der Verfassungsorgane. Zu den Teilnehmern zählten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Bundesratspräsident Dietmar Woidke (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. Sie legten Kränze nieder.

Kanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin haben ebenfalls die Bedeutung des Erinnerns hervorgehoben. Für Russland und Deutschland habe der Tag eine besondere Symbolik, erklärte der Kreml am Freitag nach einem Telefonat der beiden. Im Zweiten Weltkrieg hatte Hitler-Deutschland 1941 die Sowjetunion überfallen. „Heute sind Russland und Deutschland Partner bei der Lösung vieler aktueller internationaler Probleme“, teilte der Kreml mit.

Mit einer Gedenkfeier am Pariser Triumphbogen hat Frankreich an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert. Präsident Emmanuel Macron legte am Freitagvormittag zunächst vor der Statue von General Charles de Gaulle in Paris einen Kranz nieder und fuhr dann weiter zum Triumphbogen. Dort fachte er die Ewige Flamme symbolisch neu an. Wegen der Corona-Krise fand die Zeremonie ohne Zuschauer statt. Hohe Militärs waren anwesend – ebenso Macrons Vorgänger Nicolas Sarkozy und François Hollande sowie Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly. Auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo wohnte der Zeremonie bei. Die Teilnehmer trugen keine Schutzmasken, versuchten aber, Abstand zu halten. Ein Kunstflug der Patrouille de France zeichnete eine Trikolore in den Himmel, am Eiffelturm wurde eine riesige Trikolore angebracht. afp/dpa