Madrid / dpa Die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig, das Land rutscht in einen Dauerwahlkampf.

Die meisten Spanier werden an diesem Sonntag mit Groll und wenig Zuversicht zu den Urnen gehen. Der Grund: Die vierte Parlamentswahl innerhalb von vier Jahren verspricht abermals kein baldiges Ende der politischen Blockade in Madrid. Der angesehene Kolumnist Ángel Fermoselle schrieb in der Digitalzeitung „El Español“ wenige Tage vor der Abstimmung auf, was viele befürchten: „Wenn es keine Riesenüberraschung gibt, werden wir nach so langer Zeit weiterhin blockiert und gelähmt bleiben.“

Dabei benötigt die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone so dringend wie selten zuvor eine starke Regierung: In Katalonien spitzt sich der Unabhängigkeitskonflikt gefährlich und gewalttätig zu, zudem droht wegen der unsicheren politischen Lage eine Konjunkturabschwächung. Und im Parlament müssen sich die Parteien auf eine Konsolidierung der Rechtspopulisten von Vox gefasst machen.

Das Gesamtbild im Madrider Parlament dürfte sich allerdings nach dem Wahlsonntag kaum entscheidend ändern. Nach allen Umfragen wird die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Pedro Sánchez ihren Erfolg der Neuwahl vom April zwar wiederholen und stärkste Kraft werden, mit 27 bis 28 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit aber erneut um Längen verfehlen. Wegen der zunehmenden Zersplitterung der Parteienlandschaft gestalten sich Regierungsbildungen seit Jahren schwierig – Koalitionsregierungen hat es in Spanien noch nie gegeben.

Bei der einzigen TV-Debatte der Spitzenkandidaten stellte Sánchez am Montag bereits klar, dass er keinen Zentimeter von seiner Haltung der vergangenen Monate abzurücken gedenkt. Der 47-Jährige, der der seit Juni 2018 im Amt ist, fordert von seinen Rivalen die Duldung einer sozialistischen Minderheitsregierung.

Interesse der Bürger sinkt

Die zweitstärkste Fraktion, die konservative Volkspartei PP, die Liberalen und auch Vox wollen Sánchez aber auf keinen Fall dulden. Auf den Koalitionsvorschlag des Chefs des Linksbündnisses Unidas Podemos (UP), Pablo Iglesias, ging Sánchez nicht ein.

Die Wähler haben das scheinbar ausweglose politische Geplänkel offenbar satt: Die Zahl der Spanier, die eine Briefwahl beantragt haben, ging nach Angaben der Post im Vergleich zu April um 30 Prozent zurück. Und nach einer Umfrage der Zeitung „La Razón“ wird die Wahlbeteiligung, die zuletzt bei stolzen 72 Prozent lag, um rund fünf Prozentpunkte zurückgehen. dpa