Berlin / Igor Steinle Von kommender Woche an soll die Software zur Verfügung stehen. Die Regierung geht nun in die Werbeoffensive.

Mit rund zwei Monaten Verspätung scheint es nun soweit zu sein: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, dass die Corona-App kommende Woche vorgestellt wird. Man habe die Zeit wegen der hohen Anforderungen gebraucht, erklärte er. „Die App muss auf allen Endgeräten genutzt werden können und soll beispielsweise auch dann messen, wenn man mit dem Handy Musik hört“, sagte Spahn der „Rheinischen Post“. Sie müsse zudem energieeffizient sein. „Eine App, die in wenigen Stunden den Akku des Handys leerzieht, nutzt keiner“, so Spahn.

Die App kommt auch deswegen so spät, weil der erste Ansatz der Regierung von Datenschützern massiv kritisiert wurde. Spahn habe „viel Zeit verspielt“, weil er bei der App zunächst auf eine zentrale Speicherung gesetzt hatte, dieses Vorhaben später aber revidieren musste, kritisierte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer am Montag. Nun werden die Daten der App nicht auf einem zentralen Server gespeichert, sondern nur auf den Smartphones der Nutzer.

Die Frage ist nun, wie viel Vertrauen die Datenschutz-Debatte gekostet hat. Laut aktuellen Umfragen würden sich zwischen 42 und 53 Prozent der Bürger eine solche App herunterladen. Die Oxford-Universität hatte zuvor in einer Studie ermittelt, dass 60 Prozent der Bevölkerung eine solche App auf dem Handy haben müssten, damit sie einen effektiven Nutzen für die Pandemiebekämpfung hat. Spahn hingegen wäre schon zufrieden, wenn die Regierung in den kommenden Wochen „einige Millionen Bürger von der App“ überzeuge. Eine „breit angelegte Kampagne“ soll dazu beitragen.

Eine zusätzliche gesetzliche Grundlage für die App lehnte Spahn ab. Zuvor wurden Bedenken laut, Arbeitgeber oder Geschäfte könnten die freiwillige App zur Voraussetzung des Betretens von Laden- oder Büroräumen machen. Grüne und Linke hatten deswegen ein Gesetz gefordert, das das verhindert. Die Regierung hält das geltende Datenschutzrecht für ausreichend.

Die App soll über die Bluetooth-Technologie aufzeichnen, wann und wie lange sich jemand in der Nähe einer anderen Person aufgehalten hat, die diese App ebenfalls verwendet. Infiziert sich jemand mit dem Coronavirus, kann er über die App anonym diejenigen informieren, die sich durch ihre Nähe zu ihm angesteckt haben könnten. Igor Steinle