Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos werden die Rufe nach der Aufnahme von Flüchtlingen lauter. Neben entsprechenden Stimmen aus SPD, Grünen und Linken haben sich jetzt auch in der Unionsfraktion mehrere Abgeordnete zusammengefunden. In einem offenen Brief fordern die 16 Parlamentarier aus CDU und CSU von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), „dass Deutschland möglichst gemeinsam mit anderen EU-Staaten, aber notfalls auch alleine, 5000 Flüchtlinge vom griechischen Festland aufnimmt“.

Initiator des Briefes ist Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Unterzeichnet haben unter anderem seine Parteifreunde Roderich Kiesewetter aus Baden-Württemberg und Martin Patzelt aus Brandenburg sowie Sebastian Brehm (CSU) aus Bayern. Deutschland dürfe „angesichts der humanitären Notlage nicht passiv bleiben oder auf andere warten“, heißt es in dem Schreiben. Ziel ist es demnach, nicht die Moria-Flüchtlinge selbst aufzunehmen, sondern bereits anerkannte Asylbewerber aus Griechenland. So könne das Land entlastet werden. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) setzte sich dafür ein, 2000 Migranten aufzunehmen.

Beim Brand in dem Flüchtlingslager hatten in der Nacht zu Mittwoch 12 600 Menschen ihr Obdach verloren. Die Bundesregierung kündigte daraufhin an, zunächst Nothilfe vor Ort zu leisten und ansonsten eine „solidarische europäische Lösung“ anzustreben. Als ersten Schritt dazu einigten sich Deutschland und Frankreich, gemeinsam mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen.

AfD: Falsches Signal

NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) forderte Bund und Länder auf, sich „umgehend auf eine gemeinsame Linie“ für die Aufnahme von Flüchtlingen zu verständigen. NRW sei bereit zu helfen, genauso wie andere Bundesländer, sagte er dieser Zeitung. Der Bund müsse koordinieren und sich mit den europäischen Partnern abstimmen. „Mein Vorschlag: 5000 kommen auf das griechische Festland, 5000 in die EU,  davon circa 2000 nach Deutschland.“ Für 5000 Menschen solle mit deutscher Unterstützung ein „zusätzliches vernünftiges Camp“ auf Lesbos gebaut werden. „Das hätte die Bundesregierung mit ihrer Ratspräsidentschaft längst in Angriff nehmen müssen. Jetzt eilt es umso mehr.“ Kritik kam von der AfD. Co-Chef Tino Chrupalla nannte die Aufnahme von Flüchtlingen „das völlig falsche Signal an Migranten und Schleuser“. Die Botschaft sei: „Wer sein Lager niederbrennt, wird nach Deutschland evakuiert.“ Ellen Hasenkamp, Stefan Kegel