Berlin / Stefan Kegel Seit dem Mord an Walter Lübcke wird ein Verbot von „Combat 18 Deutschland“ gefordert. Der Verein steht in der Tradition der verbotenen „Blood and Honour“-Bewegung.

Berlin. Es war am 24. September 2017, als die Bundespolizei im fränkischen Schirnding an der tschechischen Grenze nach einem Tipp zwölf Männer aus dem Verkehr winkte. Sie kamen von einem Schießtraining in Eger (Cheb) zurück. Bei der Durchsuchung ihres Kleinbusses fanden die Beamten 24 Schuss Munition. Es waren besondere Projektile dabei. Sie haben eine enorme Durchschlagskraft und kommen etwa in Sturmgewehren zum Einsatz.

Die zwölf Männer gehörten nach Angaben von Ermittlern zu „Combat 18 Deutschland“, einer rechtsextremen Gruppe, die seit acht Jahren existiert. „Combat 18“ – übersetzt „Kampf 18“ – war in den 1990er-Jahren als bewaffneter Ableger des britischen „Blood and Honour“-Vereins (Blut und Ehre) gegründet worden und hat Sektionen in mehreren Ländern. Die Zahl 18 steht in Neonazi-Kreisen als Chiffre  für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet:  „A“ und „H“, die Initialen von Adolf Hitler.

Die Mutterorganisation, die bereits im Jahr 2000 in Deutschland verboten wurde,  vertritt die Ideologie des „führungslosen Widerstands“. Die Sektionen werden angehalten, in kleinen, unabhängigen Einheiten Waffen zu horten, Todeslisten anzulegen und Anschläge zu begehen. Der deutsche Ableger tat sich vor allem damit hervor, dass er mit Musik und Konzerten Neonazis vernetzte.

Als nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke über angebliche Kontakte des Täters zu „Combat 18“ berichtet wurde, kamen Forderungen auf, den Verein zu verbieten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wehrte das damals ab. Man müsse erst sichere Beweise haben. Gleichzeitig betonte er im vergangenen Jahr immer wieder, er werde „ganz ernsthaft prüfen, welche Gruppierungen zu verbieten sind“. Im Bericht des Bundesverfassungsschutzes taucht „Combat 18 Deutschland“ nicht auf. Dafür ist die Gruppe zu klein. Beobachter sprechen von einer zweistelligen Zahl von Mitgliedern. Das Verbot vom Donnerstag ist das 18. einer rechtsextremen Vereinigung in der Bundesrepublik.

„Der Schritt ist lange, lange überfällig. Und es bleibt ein Rätsel, warum er nicht vor vielen Jahren erfolgte“, kritisierte der grüne Vizefraktionschef im Bundestag, Konstantin von Notz. Sein Amtskollege André Hahn von den Linken befürchtet,  „dass der lange Vorlauf von den Mitgliedern der Gruppe dazu genutzt wurde, Teile ihres Waffenarsenals und weitere belastende Unterlagen beiseite zu schaffen“. „Auf dem Verbot darf sich Bundesinnenminister Seehofer jetzt nicht ausruhen“, fordert währenddessen der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle. Der Verfolgungsdruck auf rechtsextreme Gruppierungen müsse weiterhin konsequent zunehmen. Stefan Kegel