Washington / Peter DeThier Schlechte finanzielle Startbedingungen, Kriminalität in jungen Jahren und kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung sind weit verbreitet. Dazu kommen Vorurteile in den Reihen der  Polizei.

Zwei historische Krisen, die Corona-Epidemie und Rassenunruhen, wie sie die Nation seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht gesehen hatte, halten die USA im Würgegriff.

Wie schlagen sich die strukturellen Ungleichheiten in den USA in Zahlen nieder? Fast alle wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren belegen die Unterschiede. So liegt die Arbeitslosenquote bei Schwarzen, die im April fast 17 Prozent erreichte, deutlich höher als bei Weißen. Etwa zwei Drittel der Schwarzen erwerben einen High-School-Abschluss (Abitur), dagegen fast neun von zehn Weißen. Viele werden auch in jungem Alter kriminell.

Inwieweit definiert dies den weiteren Lebensweg? Historisch gesehen verfügen Schwarze mit Blick auf Bildung, Berufsaussichten und somit wirtschaftliche Perspektiven in den USA über ungünstigere Ausgangspositionen als andere ethnische Minderheiten und vor allem Weiße. Ein deutlich geringerer Anteil der Schwarzen studiert, kommt in den Genuss guter Krankenversorgung oder hat Chancen, aus den ärmsten Gegenden aufzusteigen. Schlechte Gesundheitsvorsorge und häufige Vorerkrankungen sind der Grund, warum Schwarze nur 12,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, der Anteil an Corona-Erkrankten unter ihnen aber doppelt so hoch ist.

Warum treffen die sozialen Unterschiede insbesondere Afroamerikaner so hart? Ins Gewicht fallen historisch verankerter Rassismus, vor allem in den Südstaaten der USA, aber auch die hohe Selbstrekrutierungsrate an den besten Universitäten und in der Wirtschaft. Dort spielen Beziehungen eine mindestens so wichtige Rolle wie Ausbildung und Qualifikationen.

Wie wichtig ist das Umfeld, in dem Jugendliche aufwachsen? In mehr als vier Millionen afroamerikanischen Haushalten sind alleinerziehende Mütter die einzigen Verdiener. Möglichkeiten zum finanziellen Aufstieg, der Kauf eines Eigenheims oder ein teures Universitätsstudium sind dadurch begrenzt.

Welche Rolle spielen Vorurteile und Waffengewalt durch die Polizei? Oft kommen Jugendliche aufgrund des schlechter gestellten Milieus, in dem sie aufwachsen, schon in sehr jungem Alter in Kontakt mit Waffen und Drogen. Gerade in den „inner cities“, den ärmsten Gegenden der großen Metropolen, unterstellen Ordnungshüter im Zweifel, dass ein afroamerikanischer Teenager mit Kapuzenpulli bewaffnet ist und neigen daher selbst dazu, voreilig die Schusswaffe zu zücken. Diese Vorurteile sind institutionalisiert und tief verankert und tragen damit maßgeblich zu den rassistisch bedingten gewaltsamen Übergriffen bei. Peter DeThier