Ende Oktober soll auf einem Parteitag die neue linke Parteiführung gewählt werden. Noch-Chefin Katja Kipping hofft, dass Corona  nicht einen Strich durch die Rechnung macht.

Werden Sie einen Personalvorschlag machen?

Katja Kipping: Jedes Parteimitglied hat ein Vorschlagsrecht. Aber Bernd und ich sind uns einig: Wir sind nicht im Feudalismus. Wir haben uns darum gekümmert, dass es mindestens zwei überzeugende Kandidaturen gibt. Entscheiden werden die Parteitagsdelegierten.

Und diese zwei Kandidaturen werden demnächst bekanntgegeben?

Das liegt in der Hand der Kandidierenden.  Aber davon gehe ich aus.

Sie fühlen sich nicht an den Parteitag 2012 in Göttingen erinnert, als auch nicht klar war, wer den Vorsitz übernimmt?

Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Wir haben heute eine ganz andere Atmosphäre in der Partei und auch im Parteivorstand. Es gibt nach wie vor kontroverse Diskussionen. Die sind aber sachorientiert. Wir sind eine viel bessere Gemeinschaft und wir lachen viel mehr miteinander.

Ist die Linke im Bund regierungswillig? Was auch hieße, das Gemeinsame mit der SPD zu betonen.

Da hat sich bei uns einiges getan. Aber das heißt nicht, dass wir im vorauseilenden Gehorsam die Kritik an der sozialdemokratischen Regierungspolitik im Bund einstellen. Und eins ist auch klar: Nur wer uns wählt, kann sich sicher sein, dass das keine Stimme für eine Bündnispartnerin der Union ist.

Stehen Sie als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl zur Verfügung? Oder sagen Sie das auch erst wieder zwei Monate vorher?

(lacht) In den kommenden zwei Monaten konzentriere ich mich noch auf die Arbeit als Parteivorsitzende. Über alles andere sprechen wir später.

Könnten  Sie sich vorstellen, erste linke Bundesministerin  zu werden?

Ich möchte vor allem, dass wir bei eventuellen Koalitionsverhandlungen soziale Weichen stellen. Garantierter Schutz vor Armut. Sanktionsfreiheit bei Hartz IV, eine Besserstellung der Mitte, sichere und gerechte Rente und gute Arbeit. Wer das dann umsetzt, darüber wird zu sprechen sein, wenn es so weit ist.

Sie würden jede Quote erfüllen. Jung, weiblich, ostdeutsch.

Ich will doch sehr hoffen, dass für mich nicht nur  irgendeine Quote spricht, sondern meine Fähigkeiten und meine Leidenschaft für die Sache. André Bochow