Den USA-Reisenden vom Golf gab der saudische König Salman vergangene Woche eine deutliche Mahnung mit auf den Weg. Er unterstütze eine „permanente und faire Lösung“ für die Palästinenser, ließ der 84-Jährige nach einem Telefonat mit Donald Trump wissen. Zuvor hatte der US-Präsident den Monarchen erneut bedrängt, sich den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) anzuschließen und die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Doch Salman blieb hart. Zu groß sind die Widerstände in der eigenen Bevölkerung und zu brisant der Vorwurf der Türkei und des Iran, die Treuhänder von Mekka und Medina würden ihre palästinensischen Glaubensbrüder verraten.

Um sich vom ärgsten Trump-Druck zu entlasten, schickte das Königreich vor drei Tagen seinen kleinen Vasallen Bahrain vor, dessen Außenminister Abdullatif bin Rashid Al Zayani nun am Dienstag Seite an Seite mit seinem emiratischen Amtskollegen Abdullah bin Zayed im Weißen Haus seine Unterschrift unter die Verträge mit Israels Premier Benjamin Netanjahu setzen wird.

Kritik aus Ankara und Teheran

Nach Ägypten 1979 und Jordanien 1994 brachen mit Bahrain und den VAE erstmals seit Jahrzehnten wieder Staaten aus der Phalanx der Arabischen Liga aus, die bisher jede Normalisierung der Beziehungen an eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und den Palästinensern koppelte. Wie weit diese Trendwende im Nahen Osten reicht, zeigte sich am Sonntag beim Treffen der Arabischen Liga in Kairo, als eine palästinensische Protestresolution keine Mehrheit mehr fand.

Stattdessen mehren sich die Anzeichen, dass Staaten wie Oman, Kuwait und Sudan bald folgen könnten. Auch Katar, das im Golfkooperationsrat seit drei Jahren isoliert ist, kooperiert intensiv mit Israel, um den Gazastreifen mit Baumaterial, Treibstoff und Lebensmitteln zu versorgen.

Aus Saudi-Arabien kommen zumindest indirekte Signale der Entspannung. Vor einem Jahr reiste eine offizielle Delegation nach Israel, angeführt vom Direktor eines außenpolitischen Think Tanks aus Dschidda, ein ehemaliger General, der enge Beziehungen zum Herrscherhaus pflegt. Kürzlich gestattete das Königreich erstmals israelischen Passagiermaschinen Direktflüge über die Arabische Halbinsel.

Die Türkei und der Iran, die zu den schärfsten Kritikern der Normalisierung gehören, waren 1948 die ersten muslimischen Staaten, die Israel nach seiner Staatsgründung anerkannten. Entsprechend gereizt reagierten Geschäftsleute aus Dubai auf die wütenden Proteste aus Ankara: „Schon möglich, dass wir hassen, was Israel den Palästinensern antut. Aber wir lassen uns nicht schulmeistern von einer Türkei, die schon seit Ewigkeiten Beziehungen zu Israel unterhält.“ Martin Gehlen