Berlin / Stefan Kegel Wegen der Tötung eines Georgiers in Berlin steht bald ein Russe vor Gericht. Auftraggeber soll der Kreml gewesen sein.

Es war ein eiskalt geplanter Mord, der sich am 23. August vergangenen Jahres am helllichten Tage im Kleinen Tiergarten, einer Parkanlage in Berlin, abspielte. Auf einem Fahrrad näherte sich der Russe Vadim K. von hinten einem Mann. Mit seiner „Glock 26“-Pistole mit Schalldämpfer schoss er ihm in den Oberkörper und gleich danach zweimal in den Kopf. Der Getroffene starb. Der Täter wurde kurze Zeit später festgenommen.

Was wie ein Mafia-Mord aussah, hatte politische Hintergründe. Und die Auftraggeber saßen nach Überzeugung der Generalbundesanwaltschaft im Moskauer Kreml. Ihnen war das Mordopfer, der 40-jährige Georgier Tornike K., ein Dorn im Auge. Er hatte im zweiten Tschetschenienkrieg Anfang der 2000er-Jahre gegen Russland gekämpft und wurde von der Moskauer Staatsmacht als Terrorist gesucht.

Am Donnerstag erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Vadim K, der unter dem Pseudonym Vadim S. am Tag vor der Tat nach Deutschland eingereist war. Der Angeschuldigte sei des Mordes hinreichend verdächtig, betont die Anklagebehörde. Auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wird ihm der Prozess gemacht.

Nach dem versuchten Giftmord gegen den ehemaligen Agenten Sergej Skripal mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok im Jahr zuvor in Großbritannien war es bereits der zweite mutmaßliche Auftragsmord Russlands binnen kurzer Zeit in einem westlichen Land.

Gestörte Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau wurden dadurch empfindlich gestört. Zwei russische Diplomaten wurden wenige Monate später ausgewiesen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte damals, sie habe keine andere Wahl gehabt. „Wir haben diese Maßnahmen ergriffen, weil wir nicht gesehen haben, dass Russland uns bei der Aufklärung dieses Mordes unterstützt.“ Als Reaktion verwies auch Moskau zwei deutsche Botschaftsmitarbeiter des Landes.

Die Auftraggeber des Mordes benennt der Generalbundesanwalt als „staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation“, ohne näher ins Detail zu geben. Diese hätten dem Russen Vadim K. den Auftrag erteilt, den Georgier Tornike K., der tschetschenischer Abstammung ist, zu töten.

Angesichts der nun vorliegenden Anklage sieht das Auswärtige Amt Handlungsbedarf. Es bestellte den russischen Botschafter Sergej Netschajew ein. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Donnerstag bei einem Besuch in Wien, der Mord sei ein „schwerwiegender Vorgang“, und ergänzte: „Die Bundesregierung behält sich weitere Maßnahmen in diesem Fall ausdrücklich vor.“ Ob er weitere Sanktionen meint oder erneut Diplomaten ausgewiesen werden, sagte er nicht. Stefan Kegel