Berlin / Stefan Kegel / NBR Die Zahl der beanstandeten Veröffentlichungen steigt auf 80. Bands spielen öfter szenefremde Genres.

Die rechtsextreme Szene versucht verstärkt, über Musik in der Jugendkulturszene anzudocken. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. 2019 wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eine Rekordzahl an Tonträgern der Szene als jugendgefährdend eingestuft. 80 Veröffentlichungen kamen wegen Verherrlichung oder Verharmlosung von Nationalsozialismus und Krieg sowie Anreizen zu Rassismus und Antisemitismus auf den Index. Im Jahr zuvor waren es 69.

Nach den Beobachtungen der Sicherheitsbehörden komme innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums der Musikszene eine besondere Bedeutung zu, heißt es in der Antwort. Sie verfüge über eine nicht zu unterschätzende Rekrutierungs- und Bindungsfunktion. Mit fremdenfeindlichen, antisemitischen und antidemokratischen Texten popularisierten die deutschlandweit rund 150 Bands und 60 Solo-Interpreten rechtsextremistische Argumentationsmuster und Einstellungen. Dabei versuchten diese Gruppen immer stärker, sich in eigentlich szenefremde Genres wie Hip-Hop oder Rap einzuklinken, um ihre Inhalte an ihr Publikum zu bringen. Zudem gab es 2018 deutschlandweit 270 Musikveranstaltungen der Szene. Wie es in der Antwort der Bundesregierung weiter heißt, hatten Mitglieder der berüchtigten Band „Erschießungskommando“ Kontakt zur inzwischen verbotenen Neonazi-Gruppe „Combat 18“.

„Neonazi-Musikgruppen und deren Konzerte haben eine wichtige Bindungsfunktion für die rechtsextreme Szene“, warnt der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser. Über sie würden zudem neue Anhänger rekrutiert und Geld für die Szene gesammelt. Deshalb müsse der Verfolgungsdruck erhöht werden, etwa durch ein Vermarktungsverbot indizierter Titel oder das Erschweren von Konzerten. Stefan Kegel