Berlin / Michael Gabel Agrarministerin Julia Klöckner begründet die Verlängerung der Frist: Das Verfahren zur Früherkennung männlicher Küken sei noch nicht ausreichend erprobt.

Das Töten männlicher Küken wird in Deutschland bis mindestens Ende 2021 weitergehen. Das hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Rande einer Konferenz mit ihrem französischen Amtskollegen Didier Guillaume mitgeteilt. Als Grund gab sie an, dass die Forschung noch nicht so weit sei, um ein einwandfreies Verfahren zur frühen Erkennung männlicher Embryos zu garantieren.

In Deutschland werden zurzeit jährlich rund 45 Millionen männliche Küken direkt nach ihrer Geburt getötet, weil sie keine Eier legen und auch nicht so viel Fleisch ansetzen wie ihre weiblichen Artgenossen. Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dafür zu sorgen, dass diese Praxis bis zum Frühjahr 2020 beendet wird. Auch das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass das Vergasen und anschließende Zerschreddern männlicher Küken nur noch für einen Übergangszeitraum zulässig ist.

Freiwillige Vereinbarung

Klöckner und ihr französischer Ministerkollege betonten, dass mit den Brütereien Vereinbarungen geschlossen werden sollen mit dem Ziel, das Kükentöten Ende kommenden Jahres zu beenden. Von einem Verbot halten sie nichts. Zum einen, weil bei den Agrarfirmen die Bereitschaft vorhanden sei, aus der bisherigen Praxis auszusteigen. Zum andern sei eine gesetzliche Regelung nur auf EU-Ebene möglich. Zwar wollen sich Deutschland und Frankreich gemeinsam für einen EU-weiten Ausstieg einsetzen. Das dauere aber erfahrungsgemäß länger, als wenn zwei Länder vorangehen.

Um das Töten männlicher Küken zu vermeiden, kommen mehrere Methoden infrage. Der Handelskonzern Rewe arbeitet mit Brütereien zusammen, die dem Ei eine flüssige Probe entnehmen und so frühzeitig feststellen, ob sich darin ein männlicher oder weiblicher Embryo befindet. Bei einem männlichen wird das Ei nicht ausgebrütet. Für eine Massenproduktion ist die Technologie laut Rewe aber noch nicht geeignet. Ebenfalls noch nicht ausgereift ist laut Klöckner die Methode, mittels einer Messung per Lichtstrahl nach männlichen Embryonen zu fahnden. Die Alternative, „Brüderhühner“ aufwachsen lassen und die „Schwesterhühner“ entsprechend teurer zu verkaufen, sei zwar vielversprechend, sagte die Ministerin. Aber es werde immer Verbraucher geben, die den Preisaufschlag nicht zahlen wollten oder könnten.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, will sich mit dem Stillstand nicht abfinden. „Das unerträgliche Töten geht tagtäglich weiter“, kritisierte er und sprach von „Ankündigungen und wohlfeilen Reden“.