Nürnberg / dpa Valerie Holsboer droht die Abberufung aus dem Vorstand. Fehlt es an Kompetenz oder  an Loyalität?

Ist es ein Machtpoker oder schlicht Verdruss über angeblich fehlenden Sachverstand an der Behördenspitze? Der seit Wochen schwelende Streit über die Zukunft von Vorstandsmitglied Valerie Holsboer hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihre schwerste personelle Krise seit 15 Jahren gestürzt. Trotz der Rückendeckung von mehr als 1000 Mitarbeitern droht der 42 Jahre alten obersten Personal- und Finanzchefin der Nürnberger Behörde an diesem Freitag die vorzeitige Abberufung. Dem müsste allerdings noch die Bundesregierung zustimmen. Der Verwaltungsrat kontrolliert zusammen mit Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen die Arbeit des BA-Vorstands.

Es wäre die zweite vorzeitige Abberufung eines Bundesagentur-Managers seit der Entlassung von Florian Gerster 2004. Gerster war seinerzeit über umstrittene Beraterverträge gestolpert. Holsboer ist das einzige weibliche Mitglied in dem von Detlef Scheele angeführten dreiköpfigen Vorstand. Ihr Fünfjahresvertrag endet offiziell 2022. Sie hatte 2017 das Personal- und Finanzressort vom früheren BA-Chef Frank-Jürgen Weise übernommen.

Hintergrund der Abberufungspläne ist offenbar die Unzufriedenheit von Teilen des Verwaltungsrats mit Holsboers Arbeit. Sie sei mit der Aufgabe, die Bundesagentur für den anstehenden Wandel des Arbeitsmarkts umzubauen, schlicht überfordert, berichteten Insider. Holsboer habe zwar einige Innovationen vorgeschlagen, umgesetzt worden sei davon aber kaum etwas. Auch seien ihr wiederholt grobe Fehler unterlaufen.

1000 Mitarbeiter hinter sich

In Holsboers Umfeld sieht man als Hintergrund einen Dauerkonflikt der Managerin mit BA-Vorstandsmitglied Clever. Der Arbeitgebervertreter hatte die frühere Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Systemgastronomie für die Vorstandsposition vorgeschlagen. In Clevers Augen, so Holsboer-Unterstützer, habe sich die Managerin gegenüber ihrem Ziehvater als nicht ausreichend loyal erwiesen. dpa