Washington / Peter De Thier Bernie Sanders will Trump als Präsident ablösen. Die Vorwahlen liefen für den 78-Jährigen bisher gut.

Seit seinem Sieg bei der Vorwahl im US-Staat New Hampshire zählt Bernie Sanders (78) wieder zu den Topfavoriten im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Der Karrierepolitiker aus  Brooklyn, New York, verkündete selbstbewusst, dass sein Etappensieg „der Anfang vom Ende von Donald Trumps Präsidentschaft“ sei. Um der 46. Präsident zu werden, muss „The Bern“, wie ihn Anhänger liebevoll nennen, aber noch hohe Hürden nehmen.

    Vor vier Jahren war Sanders Opfer einer demokratischen Wahlkampfmaschine geworden, die vorzeitig Hillary Clinton zu Spitzenkandidatin auserkoren hatte – eine folgenschwere Fehlentscheidung. Schließlich erlitt die frühere First Lady drei Monate nach dem turbulenten Parteikonvent in Philadelphia, wo Sanders’ Anhänger aus Protest die Halle verließen, im Duell mit Trump das peinlichste Debakel in der Geschichte der Partei.

Nun will es Sanders, der nach seinem Politologiestudium in Chicago zunächst als Filmemacher, Lehrer und schließlich als Tischler jobbte, noch einmal wissen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister Pete Buttigieg und dem Multimilliardär Michael Bloomberg zählt er zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf die Nominierung.

Für gebührenfreies Studium

Interesse an der Politik habe in ihm schon als Kind „ein Typ namens Hitler“ geweckt, sagte Sanders, der als Student sozialistischen Organisationen angehörte, in einem Interview. Denn zahlreiche seiner jüdischen Verwandten waren Opfer des Holocaust in dem von Nazis besetzten Polen.

Bald nach dem Studium zog es den jungen Akademiker von New York ins ländliche Vermont, wo er als Bürgermeister der Stadt Burlington seine Bilderbuchkarriere in der Politik begann. 1990 wurde er als Unabhängiger ins Repräsentantenhaus gewählt und 16 Jahre danach in den Senat, wo er bis heute tätig ist und erst anlässlich der beiden Präsidentschaftswahlen der demokratischen Partei beitrat.

Sanders will ein gebührenfreies Studium an staatlichen Unis und eine gesetzliche Krankenversicherung für alle Amerikaner einführen. Er plant, Reiche höher zu besteuern und den Einfluss von Industrielobbyisten auf politische Kampagnen zu beenden.

    Es gibt Zweifel daran, dass er  Trump besiegen kann. Clinton sagte einmal, dass im Senat niemand Sanders mochte. Andere meinen, dass er zu „zu links“ für Durchschnittswähler oder dass er schlicht zu alt sei. Das alles interessiert den beherzten Senator aber nicht. Er will seine wohl letzte Chance nutzen, im Juli zum Präsidentschaftskandidaten berufen werden und dann Trump schlagen. Peter De Thier