Berlin / Mathias Puddig Weil die Branche zu zögerlich freiwillig handelt, plant die Ministerin ein Gesetz. Ende 2021 soll mit der Tötung Schluss sein.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat angekündigt, das Kükentöten in Deutschland bis Ende 2021 zu verbieten. „Da ich bislang nicht erkennen konnte, dass die Branche die bestehenden Alternativen auch nutzt, um das Kükentöten bis Ende 2021 flächendeckend zu beenden, lege ich ein Gesetz vor“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Damit werde sie „das Töten männlicher Eintagsküken stufenübergreifend und flächendeckend verbieten“.

In Deutschland werden jährlich rund 45 Millionen männliche Küken am Tag nach dem Schlüpfen getötet, weil sich deren Aufzucht nicht rechnet. Sie legen keine Eier und setzen auch nicht viel Fleisch an. Eigentlich wollte die große Koalition das Kükentöten schon bis zur Mitte der Legislaturperiode verbieten. Ministerin Klöckner setzte jedoch lange auf Freiwilligkeit. Noch im Januar sagte sie beim Besuch ihres französischen Amtskollegen Didier Guillaume, dass ein einwandfreies Verfahren zur frühen Erkennung männlicher Embryos noch im Ei nicht garantiert werden könne. Von einem Verbot halte sie nichts, sagte sie damals. Mittlerweile sieht sie das offenbar anders: Neben der Geschlechtsbestimmung bereits im Ei verwies sie nun auch auf das sogenannte Zweinutzungshuhn, bei dem männliche Tiere gemästet werden.

Übergangslösung gefordert

Die Geflügelbranche kritisierte den Sinneswandel der Ministerin prompt und warnte vor dem Verbot. Dieses würde sich durch einen Import von Legehennen aus dem Ausland leicht umgehen lassen. Klöckner würde mit einem Gesetz „falsche Tatsachen vortäuschen, und das Kükentöten für in Deutschland genutzte Jung- und Legehennen würde im Ausland weitergehen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG), Friedrich-­Otto Ripke. Zudem sei ein Verbot rechtlich nur mit einer Übergangsfrist möglich, in der das Kükentöten erlaubt bliebe.

Unterstützung gab es unterdessen von den Grünen. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast warb dafür, das Gesetz schnell zu verabschieden. „Ein klarstellendes Gesetz muss her. Wir sind bereit. Zu dem Thema ist so viel gesagt, dass wir ein entsprechendes Gesetz gerne noch im September verabschieden können“, sagte Künast dieser Zeitung. „Gut, wenn Frau Klöckner nun auch endlich mal die Geduld verliert“, ergänzte sie.

Ihr Fraktionskollege Friedrich Ostendorff nannte das Verbot ebenfalls überfällig und beklagte, dass mit Aldi-Süd „sogar ein großer Discounter der Ministerin zuvorgekommen ist“. Dem agrarpolitischen Sprecher der Grünen­-Bundestagsfraktion reicht das nicht: „Klöckner muss sich bei der Tierhaltung endlich aus dem Klammergriff der Industrie lösen und drängende Tierschutzfragen beantworten“, forderte er.

Mathias Puddig (mit epd)