Ulm / Peter Strigl Felix Klein ist der Antisemitismus-Beauftragte der Regierung. Er will jüdisches Leben sichtbar machen.

„Ich wollte Empörung provozieren“, sagt Felix Klein rückblickend. „Aber ich hätte es vielleicht klarer als Weckruf deutlich machen sollen.“ Im Mai hatte der Antisemitismus-Beauftragte gesagt, er könne „Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen“. Der Satz schlug hohe Wellen. In Israel, wo die deutsche Politik naturgemäß mit Argusaugen beobachtet wird, warf ihm Staatspräsident Reuven Rivlin gar Defätismus vor.

 „Freunde in Israel haben mir gesagt, dass ich dort so bekannt bin bin wie die Kanzlerin“, berichtet Klein beim Redaktionsgespräch mit dieser Zeitung. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der vormalige Diplomat Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung. Dass dieses Amt nötig ist, zeigt schon die Kriminalstatistik: Seit mehreren Jahren steigt die Zahl antisemitischer Straftaten – im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent auf 1799.

Maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat laut Klein die AfD. „Vogelschiss“, und „Denkmal der Schande“ sind nur zwei Stichworte unter vielen, die aus seiner Sicht zu einer Verschiebung des Sagbaren geführt haben. Aber auch unter muslimischen Einwanderern sei Antisemitismus verbreitet: „Wir haben hier viel versäumt“, sagt er in Hinblick auf die Integration. Das Ziel muss laut Klein ein „deutscher Islam“ sein.

Besonders problematisch findet Klein, dass antisemitische Einstellungen wieder in die Schule Einzug halten. „Jude als Schimpfwort gab’s in meiner Jugend nicht.“ Sorge machen ihm auch die Texte mancher Rapper: „Die Rothschilds werden da als Synonym für die Juden, die Geld haben, verwendet. Manche Jugendliche fallen auf so etwas rein.“

Ein Großteil seiner Lösungsansätze zielt denn auch auf die Schule. Im Geschichtsunterricht sollen das Judentum und Israel eine größere Rolle spielen, „nicht nur, wenn es um den Holocaust geht“. Auch Reisen nach Israel hält Klein für denkbar. Da die letzten Zeitzeugen allmählich sterben, will er verstärkt auf die Begegnung mit Gleichaltrigen setzen, wie es beispielsweise das Projekt Likrat des Zentralrats der Juden ermöglicht. Klein formuliert sein „Idealziel“: „Dass jüdisches Leben als ganz normaler Teil des Lebens in Deutschland wahrgenommen wird.“  Peter Strigl