Berlin / Mathias Puddig Noch vor einer Woche war Klara Geywitz die große Unbekannte. Dann wurde öffentlich, dass sie mit Olaf Scholz um den Parteivorsitz kandidiert – eine Herausforderung, der sie fröhlich entgegenblickt.

Klara Geywitz könnte nächste SPD-Chefin werden. Ihr Thema ist Zusammenhalt. Dafür brauche es die Vermögenssteuer, sagt sie.

Sie haben gesagt, dass Sie gut zuspitzen können. Können Sie mal Ihre und Scholz’ Kandidatur auf einen Satz zuspitzen?

Klara Geywitz: Viele Menschen, oft auch frühere SPD-Wähler, haben den Eindruck, dass ihre Probleme in der Politik nicht vorkommen. Das wollen wir ändern.

Und das wollen die anderen nicht?

Olaf Scholz und ich haben gesagt, dass wir unsere Ideen präsentieren und die anderen Teams ihre. Wir grenzen uns da nicht gegeneinander ab.

Sie könnten bald SPD-Chefin sein. Schüchtert Sie das nicht ein?

Natürlich überlegt man sich, wenn man kandidiert, dass man auch gewinnen könnte. Vorsitzende der SPD zu sein, wäre eine große Herausforderung. Aber seitdem ich mich dazu entschieden habe, bin ich sehr fröhlich. Das passiert mir immer, wenn ich vor großen Herausforderungen stehe.

Teile der SPD lehnen Scholz rigoros ab. Wie wollen Sie das drehen?

Olaf Scholz und ich sind ein Team mit unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Erfahrungen und politisch mit unterschiedlichen Koalitionspartnern. Wir wollen klarmachen, dass es für eine Volkspartei gut ist, wenn man ein Team hat, das unterschiedliche Aspekte einbringt.

Auch inhaltlich?

Ich glaube, dass bei manchen der falsche Eindruck entstanden ist, dass Olaf Scholz symbolisch für die große Koalition steht. Das ist Quatsch. Die SPD wird Bilanz ziehen und sehen, was die GroKo bislang erreicht hat. Ich finde: mehr als manche behaupten. Aber vor allem kommt es darauf an, ob die Koalition die Kraft hat, bis 2021 dringende Projekte anzupacken und auch sozialdemokratische Vorhaben durchzusetzen.

Am Montag berät das SPD-Präsidium ein Papier zur Vermögenssteuer. Ist das die Idee, die die SPD rettet?

Die Idee ist richtig, sogar die Schweiz hat solch eine Steuer. Wir haben so viele Arbeitsplätze wie noch nie in Deutschland, und trotzdem sind noch immer viele Menschen unzufrieden. Das liegt zum Beispiel daran, dass steigende Mieten in den Städten die Tarifsteigerungen mehr als auffressen. Selbst jetzt, wo fast überall Arbeitskräfte händeringend gesucht werden, geht der Abstand zwischen Reichen und Normal- und Geringverdienern auf der anderen Seite auseinander. Das ist nicht gut für eine Gesellschaft, denn es gefährdet den Zusammenhalt. Die SPD würde sich aufgeben, wenn sie nicht mindestens den Anspruch hätte, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter aufgeht. Ich meine sogar: Die Schere sollte sich wieder ein gewisses Stück schließen.

Sie könnten bei der Landtagswahl am Sonntag Ihr Mandat verlieren. Wie sehr würde das im Wettbewerb um den Parteivorsitz schaden?

Natürlich wäre das kein besonders großer Rückenwind. Ich gehe aber davon aus, dass das nicht passiert. Den ganzen Sommer über war ich im Wahlkreis unterwegs und habe schon große Zustimmung gespürt. Seitdem meine Kandidatur öffentlich wurde, werde ich von so vielen Potsdamern geknuddelt, dass ich glaube, die werden mich auch wählen. Mathias Puddig