Warschau / Dietrich Schröder/MOZ Das Ergebnis der ersten Runde ist knapper, als es auf den ersten Blick erscheint. Amtsinhaber Andrzej Duda und Herausforderer Rafal Trzaskowski müssen um jede Stimme kämpfen.

Für Wahlpartys war keine Zeit. Noch in der Nacht zum Montag setzten die beiden Männer, die jetzt noch Chancen auf das höchste polnische Staatsamt haben, ihren Stimmenfang in zwei kleinen Orten fort. Und am Montag ging die Tour für Amtsinhaber Andrzej Duda und seinen Herausforderer Rafal Trzaskowski bereits um 7.30 Uhr weiter. Auftritte in jeweils vier Orten standen für die beiden 48-jährigen Kandidaten schon wieder auf dem Plan.

„Wie es am 12. Juli ausgehen wird? Das weiß im Moment noch keiner!“ Diese Einschätzung war am Montag in unserem östlichen Nachbarland nicht nur von den sogenannten einfachen Bürgern, sondern auch von erfahrenen Politologen zu hören. Dafür war des Ergebnis der ersten Runde nicht klar genug. Zwar konnte Amtsinhaber Duda mit 43,7 Prozent deutlich mehr Stimmen als Herausforderer Trzaskowski (30,3 Prozent) erringen. Doch darf man nicht vergessen, dass in der ersten Runde noch neun weitere Bewerber ins Rennen gegangen waren.

Nun kommt es darauf an, wie sich die rund 25 Prozent der Polen entscheiden werden, die in der ersten Runde andere Kandidaten wählten. Auf die Wahlempfehlungen des  parteilosen Journalisten Szymon Holownia (er erhielt 13,9 Prozent) und des rechtsextremen Krzysztof Bosak (6,8 Prozent) warten alle gespannt.

Klar ist lediglich, dass es linke Parteien in Polen nach wie vor schwer haben. Der bekennende Schwule Robert Biedron kam auf gerade mal 2,2 Prozent. Er gab bereits am Montag bekannt, dass sich die von ihm geführte Partei „Wiosna“ (Frühling) nun mit der linken SLD vereinen werde, deren Kandidat Waldemar Witkowski nur 0,1 Prozent erhielt.

Werben bei Rechts und Links

Schon in ihren ersten Ansprachen umwarben Duda und Trzaszkowski genau dieses Klientel. Duda umschmeichelte die Extrem-Konservativen mit der Bemerkung, „dass unsere Vorstellungen von einem starken und unabhängigen Polen die gleichen sind“. Links-Wählern versprach er, „dass es mir wie euch um das Wohl der einfachen Polen geht“.

Trzaskowski, dessen Anhänger sich vor einem Umspannwerk in Warschau versammelt hatten – als Zeichen, dass ihr Kandidat dem Land neue Dynamik verleihen werde – sprach alle Wähler an: „Die Zeit der Einteilung in bessere und schlechtere Polen wird mit mir zu Ende sein“, versprach er. Und spielte damit darauf an, dass Duda sich als treuer Diener seiner Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) sieht. Deren Vorsitzender Jaroslaw Kaczynski tauchte zur allgemeinen Überraschung in der Wahlnacht gar nicht auf. Vielleicht brütete er bereits Überraschungspläne für die zweite Runde aus. Dietrich Schröder

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