Berlin / Guido Bohsem Beratungsstellen sollen mit Rat und Hilfen unterstützen. Ein Gutachten zeigt, dass dies in der Regel sehr gut klappt.

Auf einmal muss es ganz schnell gehen und alles auf einmal entschieden werden: Wird ein Partner oder ein Elternteil pflegebedürftig, ist guter Rat teuer. Häusliche Pflege, ambulante Pflege, Übergangspflege, Pflegegrad und viele andere Fachbegriffe prasseln auf die Betroffenen ein, obwohl die Sorgen um den Ehemann oder die Mutter doch so erdrückend groß sind.

Um Betroffenen und Angehörigen in dieser Situation zu helfen, hat die schwarz-rote Koalition die Kassen vor etwa elf Jahren verpflichtet, sogenannte Pflegeberatungsstellen einzurichten. Die Idee war, dass die Betroffenen schnelle, kostenlose und neutrale Führung durch den Dschungel der Pflege erhalten. Damit die Kassen diesen Auflagen auch nachkommen, sollte die Leistung regelmäßig überprüft werden.

An diesem Donnerstag soll das erste Zeugnis an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) übergeben werden. Es ist gut 280 Seiten lang, und erstellt hat es das IGES-­Institut aus Berlin. Das beruhigende Ergebnis: Die Pflege-Lotsen erhalten durchweg gute Noten. Mehr als 95 Prozent der Versicherten, die zum ersten Mal einen Antrag auf Pflegegeld stellten, sind mit der Beratung zufrieden. Insgesamt befragte das Institut mehr als 5500 Versicherte in 29 Regionen Deutschlands. Fast 300 davon hatten gerade eine Pflegeberatung erhalten.

Verständliche Informationen

Knapp 80 Prozent gaben an, stets Kontakt mit demselben Berater gehabt zu haben. Über 95 Prozent sagten, sie hätten der Beratung gut folgen können, und mehr als 97 Prozent erklärten, dass genügend Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Aus Sicht von 95,5 Prozent der befragten Versicherten wurde auf ihre Wünsche ausreichend eingegangen.

Die Befragten sagten weiter, dass bei der ersten Anfrage ein Beratungstermin innerhalb von wenigen Tagen ermöglicht wurde. In über 80 Prozent der Fälle seien die Berater zu den betroffenen Versicherten nach Hause gekommen. Insgesamt hätten sich mehr als 90 Prozent der Befragten darüber zufrieden gezeigt, dass die Beratungen gut zugänglich und hilfreich seien.

Verbesserungspotenzial entdeckte IGES vor allem bei den Kommunen. Diese könnten die Beratungsstellen systematischer über lokale Angebote informieren – etwa über Pflegedienste, stationäre Einrichtungen oder Therapieangebote. Zudem empfiehlt IGES Ärzten, mehr auf die Beratungsstellen hinzuweisen.

Der Spitzenverband der Kassen, der die Studie bezahlt hat, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Sie zeige, dass die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen unabhängig, neutral und umfassend beraten würden, sagte der stellvertretende Vorsitzende Gernot Kiefer: „Wir freuen uns, dass knapp zwei Drittel der Versicherten von ihrer Pflegekasse das Angebot einer Beratung erhielten.“ Guido Bohsem