London / Hendrik Bebber Die Verhandlungen mit der EU sind festgefahren, wieder droht ein Ende des freien Handels.

Großbritannien droht die schwerste Wirtschaftskrise seit 300 Jahren. Dennoch steuert die Regierung auf einen harten Bruch mit dem wichtigsten Handelspartner zu. Drei Gesprächsrunden über ein Freihandelsabkommen mit der EU verliefen ergebnislos, im Juni wollen sich die Kontrahenten wieder treffen: Es ist die letzte Gelegenheit, um zu vermeiden, dass Großbritannien am Jahresende ohne Abkommen aus der EU aussteigt.

Die Positionen sind festgefahren. In einem scharfen Brief an EU-Chefunterhändler Michel Barnier zeigte sich der britische Delegationsführer David Frost „perplex“, dass Brüssel  kein „hochqualitatives Abkommen“ anstrebe, sondern „zusätzliche, unausgewogene und beispiellose Forderungen“ stelle.  Barnier wiederum wirft den Briten vor, sie wollten „unrealistisch die  Vorteile einer EU-Mitgliedschaft ohne die damit verbundenen Verpflichtungen genießen“. Im Kern geht es um eine Bedingung, die Großbritannien an EU-Standards für Arbeitsrecht und Umwelt bindet, damit britische Unternehmen in dieser Hinsicht  keine Wettbewerbsvorteile haben.

Großbritannien arbeitet mit Hochdruck auf die neue Rolle als „Drittland“ außerhalb der EU nach den Regeln der Welthandelsorganisation hin. Das Parlament verabschiedete das neue Einwanderungsgesetz mit dem Ende der Freizügigkeit für EU­-Bürger. Für den Weg in die globale Freihandelszone kündigte die zuständige Ministerin Liz Truss die massive Streichung von Importzöllen aus Drittländern an. Aber die Lebensmittelindustrie warnte bereits vor erheblichen Teuerungen bei Nahrungsmitteln, die hauptsächlich aus der EU eingeführt werden. Auch die britischen Exporteure von landwirtschaftlichen Produkten müssen mit einem erheblichen Einbruch rechnen.

All dies erhöht noch die Zukunftsangst der Briten. Finanzminister Rishi Sunak warnte jetzt vor einer „schweren Rezession, wie sie das Land noch nie zuvor erlebt hat.“ Hendrik Bebber