. „Wer Gesundheit googelt, soll künftig auf dem Nationalen Gesundheitsportal landen.“ Nicht weniger hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der zum Monatsbeginn gestarteten Internetadresse www.gesund.bund.de vorgenommen. Die will schnell, zentral, verlässlich, werbefrei und verständlich über alle Themen rund um Gesundheit und Pflege informieren.

Dass sich Ratsuchende tatsächlich bald vor allem auf diese Seite verlassen, daran hat der Bielefelder Allgemeinmediziner Klaus Reinhardt, seit 2011 Vorsitzender des Berufsverbandes Hartmannbund und seit 2019 zudem Präsident der Bundesärztekammer, aber so seine Zweifel. Angesichts der Dynamik von Thema und Medium müsse sich erst noch zeigen, „ob die Seite das Zeug hat, wie vom Minister erhofft, die ‚Nummer 1‘ zu werden. Am Ende ist das in der Regel eine Abstimmung mit den Füßen – in diesem Fall mit Klicks“, sagte er dieser Zeitung. Ganz sicher sei das Portal aber eine weitere Möglichkeit, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken.

Auch Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller freut sich zwar, dass es eine weitere, öffentliche Alternative zu „Dr. Google“ gebe. Aber: „Das Nationale Gesundheitsportal ist noch unbekannt und hat starke und etablierte Konkurrenz“, so der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Deshalb brauche das Portal Mehrwert – etwa Möglichkeiten zur Arztsuche oder zum Kassen-Vergleich. „Die Daten dafür sind vorhanden, sie müssen nur genutzt werden.“

Verzögertes Projekt

Geplant hatte das nationale Netzangebot schon Spahns Vorgänger Hermann Gröhe. Hintergrund waren Studien, nach denen gut die Hälfte der Bevölkerung Gesundheitsinformationen nicht wirklich finden, verstehen, bewerten oder umsetzen kann. Und: Bisher starten 80 Prozent der Ratsuchenden im Internet ihre Suche bei Google. Und wählen unter den ersten zehn Treffern aus.

Die Umsetzung erwies sich als schwieriger als gedacht. Konzepte wurden  erarbeitet und wieder verworfen. Nun wird die Seite in Verantwortung des Bundesgesundheitsministeriums betrieben. Partner sind etwa das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Robert-Koch-Institut. Derzeit bekommt man Krankheiten von A wie ADHS über N wie Neurodermitis bis Z wie Zwangsstörung erklärt. Es gibt auch eine 3-D-Animation, wie das Coronavirus in unseren Körper gelangt. Oder einen Text zu gesunder Ernährung.

Um mit diesen nicht sehr überraschenden Inhalten zu reüssieren, wird es wohl noch etwas dauern. Wer bei Google die Frage eingibt „Habe ich Grippe oder Corona?“, bekommt ganz oben Einträge von Netdoktor, Apotheken-Umschau und der Techniker-Krankenkasse präsentiert. Unter den 160 angezeigten Ergebnissen ist von gesund.bund.de aber keine Spur. Hajo Zenker