Warschau / Von Dietrich Schröder Das Ergebnis der Präsidentenwahl zeigt, wie gespalten das Land ist. Deutsche Politiker fordern den Gewinner zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung europäischer Werte auf.

Polen hat einen aufwühlenden Präsidentschafts-­Wahlkampf hinter sich, der in dem Land noch lang nachwirken wird. Der von der national-konservativen Regierungspartei PiS unterstützte 48-jährige Amtsinhaber Andrzej Duda konnte sich mit nur 2,4 Prozentpunkten Vorsprung gegen seinen pro-euro­päischen Herausforderer Rafał Trzaskowski durchsetzen.

Zuvor hatten sich beide Rivalen die schärfste politische Auseinandersetzung geliefert, die Polen seit dem historischen Jahr 1989 erlebt hat. „Ihnen ging es um die Erhaltung der Macht, uns um die Wiedererlangung von Normalität und Freiheit“, sagte eine Anhängerin Trzaskowskis, der im vergangenen Jahr bereits die Oberbürgermeisterwahl in Warschau gegen einen PiS-Kandidaten gewonnen hatte. Trotz seiner Niederlage ist Trzaskowski in den Augen vieler Polen zum neuen Hoffnungsträger der Opposition geworden, um die dominierende Rolle der PiS im Land zu überwinden.

Die Spaltung der Bevölkerung zwischen den eher weltoffenen und modern eingestellten Menschen in den Großstädten und im Westen Polens einerseits, sowie der konservativ-patriotischen Bevölkerung auf dem Land andererseits, trat deutlich zu Tage. Trzaskowski konnte zwar in neun der 16 polnischen Regierungsbezirke die Stimmenmehrheit erreichen. Dafür erhielt Duda in den an Weißrussland und die Ukraine grenzenden Regionen zum Teil mehr als 70 Prozent der Stimmen. Der Riss geht auch mitten durch viele Familien, in denen diese unterschiedlichen politischen Haltungen jeweils Anhänger haben.

Bleibende Eindrücke

Der Wahlkampf wird wegen der zum Teil hasserfüllten Äußerungen Dudas über Homosexuelle, über den angeblichen Einfluss deutscher Medien auf die Wahl und wegen antijüdischer Äußerungen der PiS in Erinnerung bleiben. Andererseits waren auch die Anhänger Trzaskowski bei ihren Kommentaren in den sozialen Medien nicht zimperlich.

 Duda, der sich in seiner ersten Amtszeit vor allem als williges Werkzeug der PiS und ihres Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski betätigt hatte, rief noch am Wahlabend mit seiner Ehefrau Agata und seiner Tochter Kinga zur Versöhnung der politischen Lager auf und lud Trzaskowski in den Präsidentenpalast ein.

Vertreter verschiedener deutscher Parteien forderten von Duda am Montag, sich für die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit in Polen einzusetzen. Der Staatspräsident müsse „für die Einhaltung europäischer Werte und Normen in seinem Land sorgen“, erklärte der Unions-Außenexperte Johann Wadephul in Berlin. Dietrich Schröder (mit afp)