Chinas Premier Li Keqiang warnte die Parteikader: Sie sollten keine Fälle vertuschen, nur um die Ansteckungen bei Null zu halten. Genau dies könnte sich derzeit jedoch zutragen: Nachdem Präsident Xi Jinping den Sieg über das Coronavirus ausgerufen und eine Rückkehr zum Wirtschaftswachstum angeordnet hat, stehen die unteren Ebenen massiv unter Druck.

Mehrere Tage lang hat die Nationale Gesundheitskommission keine einzige Neuinfektion vermeldet, sondern lediglich einige wenige „importierte Fälle“ aus dem Ausland. Es entstand der Eindruck, als ob China kurz davor stünde, virusfrei zu werden. Das vergleichsweise kritische chinesische Magazin „Caixin“ berichtet, dass in Wuhan weiterhin täglich mehrere asymptotische Fälle auftauchen – also Personen, die zwar positiv auf Covid-19 getestet werden, aber keine Symptome aufweisen. Diese werden in China nicht in die Statistik aufgenommen.

Es mache keinen Sinn, „dass eine Person zwar positiv ist, aber nicht gezählt wird, solange sie nicht krank ist“, zitiert die Agentur Bloomberg den Virologen Nigel McMillan von der amerikanischen Griffith Universität. Denn wissenschaftlich deutet alles darauf hin, dass auch asymptotische Fälle das Virus weitergeben können. In den meisten Ländern werden alle positiv getesteten Personen in den Statistiken aufgeführt. Fabian Kretschmer