Damaskus / Martin Gehlen Auf dem Schlachtfeld waren die Verbündeten des Regimes von Baschar al-Assad zur Kooperation verdammt – jetzt streiten Russland und der Iran um Einfluss und Wiederaufbauprojekte.

Nach ihrem mehrstündigen Videotreffen hatten die drei Staatschefs wenig Neues zu sagen. Das Abschlusskommuniqué von Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Hassan Ruhani wirkte blutleer. Man sei entschlossen, die „trilaterale Koordination“ auszubauen, hieß es in dem Text, der wie üblich „die Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit und territoriale Integrität Syriens“ beschwor. Erstmals seit neun Monaten hatten sich Russland, Türkei und der Iran wieder im Astana-Format getroffen, das Moskau 2017 als Parallele zu der Vermittlungsmission der Vereinten Nationen etablierte.

Mittlerweile ist der Krieg entschieden. Auf dem Schlachtfeld hat das Assad-Regime gesiegt. Eine politische Nachkriegsordnung und gesellschaftliche Versöhnung, die die Bevölkerung wieder zu einer Nation zusammenführen könnte, ist nicht in Sicht. „Ehrlich gesagt, wir haben bisher kaum Fortschritte gemacht“, räumte UN-Vermittler Geir O. Pedersen kürzlich in einem Interview ein.

Vor allem in Moskau wächst die Ungeduld. Wladimir Putin will den Krieg zu einem Ende bringen und – wie er sich ausdrückt – eine „langfristige Normalisierung“ erreichen. Der Kremlchef braucht ein einigermaßen stabiles und funktionsfähiges Syrien, um das neu gewonnene strategische Gewicht Russlands im Nahen Osten zu sichern und in das Milliarden-Geschäft des Wiederaufbaus einzusteigen. Die internationalen Geldgeber in Europa und den Golfstaaten jedoch stoßen sich an der iranischen Präsenz in Syrien und fordern einen echten politischen Neuanfang jenseits von Assad.

Teherans Strategen wollen von den russischen Plänen nichts wissen. Sie sind nicht an einem stabilen Syrien interessiert. Damit bliebe Assad langfristig von iranischer Militärhilfe abhängig, und die Islamische Republik könnte sich beim Wiederaufbau eine privilegierte Rolle verschaffen

Putin ernennt Gesandten

Der Kremlführung ist klar, dass sich ohne echten politischen Interessenausgleich zwischen Regime und Opposition kein Ausweg aus der syrischen Misere finden lässt. Putin wies das Verteidigungs- und Außenministerium an, mit Damaskus Verhandlungen über zusätzliche Armeestützpunkte und langfristige Wirtschaftsprojekte zu führen.

Damit will der Präsident den Preis für Russlands Militäreinsatz in die Höhe treiben – zu Lasten des Iran, der von Syrien offenbar 20 bis 30 Milliarden Dollar haben will. Zum anderen ernannte der Kremlchef mit Alexander Efimow einen dritten Sondergesandten für Syrien. Bei der dritten Genfer Verfassungsrunde am 24. August wolle man sich konstruktiv beteiligen, signalisierten Assads Gesandte der Uno. Martin Gehlen