Berlin / Mathias Puddig / NBR Im Zuge der Pisa-Studie wurde abgefragt, welche Jobs Jugendliche später haben wollen. Sie setzen auf Tradition.

Die Arbeitswelt steht vor bedeutenden Veränderungen, doch in den Berufswünschen der Jugendlichen schlägt sich das nicht nieder. Das hat die OECD in einer Studie festgestellt, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach wollen die Mädchen OECD-weit vor allem Ärztinnen werden, bei den Jungs liegt der Ingenieursberuf vorn. In Deutschland sind Posten als Lehrer und Informatiker auf den vorderen Plätzen. Was die Untersuchung sonst noch verrät:

Die Jugendlichen setzen auf Tradition. Lehrer, Ärztin, Polizist und Krankenschwester – vier von zehn deutschen Jugendlichen streben in Berufe, die es schon ewig gibt. Damit ist der deutsche Nachwuchs zwar etwas vielfältiger aufgestellt als die Altersgenossen im OECD-Schnitt. Tätigkeiten, die erst mit der Digitalisierung – etwa die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz – entstanden sind, werden trotzdem auffällig selten genannt. Das hat Folgen: Laut OECD strebt fast die Hälfte der Befragten in Berufe, die im Zuge der Automatisierung bis 2035 wegzufallen drohen. „Es besteht ein großes Risiko, dass wir die nächste Generation für unsere Vergangenheit ausbilden und nicht für deren Zukunft“, sagte OECD-Direktor Andreas Schleicher am Mittwoch.

Leistung allein reicht nicht aus, um in höhere Berufe zu streben. Wer aus einem armen Elternhaus kommt, traut sich signifikant weniger zu als Jugendliche mit privilegierten Eltern – und das bei gleichen schulischen Leistungen. Die Bildungssysteme schaffen es offenbar nicht, sozioökonomische Hintergründe auszugleichen. Und das gilt auch bei den Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Während Jungen mit guten Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften eher in Ingenieursberufe streben, suchen sich Mädchen mit den selben Talenten eher Jobs im Gesundheitswesen.

In Deutschland läuft nicht alles schlecht. Die berufliche Ausbildung spielt in Deutschland eine größere Rolle als in anderen Ländern – das ist auch den Zahlen anzusehen. So fällt auf, dass besonders viele leistungsstarke Schülerinnen und Schüler kein Studium anstreben. Dieser etwas irritierende Befund könnte laut OECD auf Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung zurückzuführen sein, die in Deutschland als attraktive Karriereperspektiven wahrgenommen werden. Das wiederum kann damit zu tun haben, dass Jugendliche hierzulande schon früh mit verschiedenen Berufsbildern in Kontakt kommen. Gleichzeitig mahnt OECD-Direktor Schleicher aber, dass diese Bemühungen nicht ausreichen. „Man kann nicht werden, was man nicht kennt“, sagt er. „Deshalb müssen wir die Zukunft der Arbeit mehr in die Klassen­zimmer tragen.“ Verantwortlich seien aber nicht nur die Lehrer, sondern auch die Zivilgesellschaft. Mathias Puddig