Peking / Fabian Kretschmer Die Konfrontation mit den USA wird schärfer. Peking schließt selbst einen bewaffneten Konflikt nicht mehr aus.

Das Undenkbare wird zur realpolitischen Option: Man müsse sich im schlimmsten Fall auf einen „bewaffneten Konflikt“ mit den USA einstellen, heißt es in einer geheimen Analyse, die nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters der chinesischen Staatsführung inklusive Präsident Xi Jinping vorgelegt wurde. Der aktuelle Bericht aus dem Ministerium für Staatssicherheit warnt in Folge der Virus-Pandemie vor einer zunehmenden antichinesischen Stimmung, die maßgeblich von den Vereinigten Staaten angetrieben werde.

Wie diese im Konkreten aussieht, dafür hat die Regierung unter Donald Trump in den letzten Tagen und Wochen Dutzende Fallbeispiele geliefert: Wenn etwa US-Außenminister Mike Pompeo von einem „bedeutsamen Maß an Beweisen“ spricht, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan entsprungen sei, während gleichzeitig fast sämtliche Wissenschaftler und westliche Geheimdienste der englischsprachigen Welt dem widersprechen.

Nun könnte die chinesische Staatsführung die offensichtlich unhaltbaren Anschuldigungen nutzen, um als besonnen reagierende Weltmacht diplomatischen Boden gut zu machen. Stattdessen haben sich die Staatsmedien in ihren anti-amerikanischen Entgleisungen auf ein ein neues Hochmaß hochgejazzt.

Pompeo wird etwa wahlweise als „Lügner“ oder „Feind der Menschheit“ bezeichnet. Zudem werden per Twitter Botschaften verkündet, wonach das Virus aus den USA nach China eingeschleppt wurde. Auch wenn die einzig rationale Lehre aus der Virus-Pandemie nur lauten kann, dass internationale Kooperation und Koordination wichtiger denn je ist, scheinen die zwei führenden Volkswirtschaften entgegengesetzte Wege einzuschlagen. In China herrscht das Gefühl vor, dass die USA eine untergehende Macht ist, die mit letzter Kraft versucht, die Volksrepublik an ihrem Aufstieg zur Nummer 1 zu hindern. Fabian Kretschmer