Washington / Peter DeThier New York steht im Zentrum der Krise. Die Hospitäler sind völlig überfüllt. Doch Trump ist gegen eine Ausgangssperre.

Mehr als 65 000 Erkrankungen und fast 1000 Tote. Das Coronavirus hat voll auf die USA durchgeschlagen, und selbst die Gesundheitsexperten von Präsident Donald Trump zeichnen ein düsteres Szenario.

Epizentrum der Krise ist New York mit fast einem Drittel aller Neuinfektionen im Land. Bürgermeister Bill de Blasio und Gouverneur  Mario Cuomo beschreiben die Lage in dramatischen Worten. „Die Welt, die wir kannten, ist verloren“, sagt etwa de Blasio.

Die Stadt, die niemals schläft, wirkt in weiten Teilen wie ausgestorben. Die Straßenschluchten sind leer, Geschäfte, Restaurants, Kinos geschlossen. Wer konnte hat die Stadt verlassen.

In den Krankenhäusern spielen sich dramatische Szenen ab. Im reichsten und mächtigsten Land der Welt fehlt es an allem. An Betten, Personal, Schutzkleidung, Beatmungsgeräten. Die Hospitäler sind so voll, dass Zelte aufgebaut werden. Die Armee schickt ein Lazarettschiff. Niemand war auf den Katastrophenfall eingerichtet. Dabei ist der Höhepunkt noch nicht erreicht. Und Gouverneur Cuomo sieht in New York, was demnächst auf das ganze Land zurollt.

Nur einer spielt den Ernst der Lage noch immer herunter: Zwar betrachtet sich Präsident Donald Trump inzwischen im Krieg gegen die Pandemie, und der Senat hat ein Billionen-Dollar-Hilfsprogramm auf den Weg gebracht. Doch Trump wehrt sich gegen einen landesweiten Shutdown. Er glaube nicht, dass das jemals notwendig werde, sagte er. New York sei lediglich ein Hotspot. In anderen Teilen des Landes sehe es anders aus.

Trump will, dass Amerika bald wieder „öffnet“. Bis Ostersonntag sollten Amerikaner wieder zum Alltag zurückkehren, fordert er.  Ostern sei für ihn eine „ganz besondere Zeit“, und nichts wäre ihm lieber, als am 12. April bei Gottesdiensten und Messen volle Kirchen und Kathedralen zu sehen.

Seine Begründung dafür: Auch die Grippe fordere Todesopfer, und wenn als Folge eines Shutdowns, also der Stilllegung des täglichen Lebens, die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe schießt, „dann werden Tausende von Menschen Selbstmord begehen“. Trump profitierte bislang von einer florierenden Wirtschaft. Er weiß, dass seine Wiederwahl im Herbst davon abhängt, wie er die jetzige Krise meistert. Dabei ist jetzt schon unverkennbar, dass das Virus längst am Arbeitsmarkt zu Buche schlägt. So stieg vergangene Woche die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld um mehr als das Zehnfache auf fast 3,3 Millionen. Gerechnet wurde mit einem sehr viel geringeren Anstieg. Doch der Kündigungsschutz in den USA ist gering und Kurzarbeitergeld, mit dem etwa in Deutschland Beschäftigte von Unternehmen auch in Notzeiten im Betrieb gehalten werden können, nicht üblich.

Auf Kollisionskurs mit dem Präsidenten befinden sich inzwischen die meisten der 50 Gouverneure. Mit Ausnahme von einigen Handlangern des Präsidenten haben sie längst auch Ausgangssperren angeordnet, darunter etwa in Kalifornien mit seinen rund 30 Millionen Einwohnern.

Doch gibt es auch andere. In Florida, wo ein Trump-treuer Gouverneur, Rick de Santis, das Sagen hat, gab es zumindest bis Donnerstag keine Ausgangssperre. Dabei steigen auch hier, wo sich zehntausende Studenten während der traditionellen Frühjahrspause an den Stränden tummeln, die Infektionsraten deutlich an. Peter De Thier

Deutliche mehr Arbeitslose

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind infolge der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA sprunghaft angestiegen. Ihre Zahl hat sich von 282 000 in der Vorwoche auf nunmehr rund 3,3 Millionen verzehnfacht, Das teilte das US-Arbeitsministerium mit. dpa