Berlin / Michael Gabel Das Bundeskabinett setzt die EU-Richtinie zu Einwegartikeln aus Kunststoff mit Einschränkungen um.

Geburtstagsfeiern ohne Plastikgeschirr, Kaffeebecher ohne Rührstäbchen aus Kunststoff – das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Umweltschützer kritisieren allerdings, dass die große Koalition die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft habe, die die EU-Richtlinie bietet. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was wird verboten? Vorgesehen ist das Verbot von Plastikbesteck und -tellern, Strohhalmen, Rührstäbchen, Styroporbecher und -behälter zum Transport von Mahlzeiten, Wattestäbchen und Luftballonstäben aus Plastik.

Wann tritt das Verbot in Kraft? Die EU hat den Mitgliedsstaaten die Frist Sommer 2021 gesetzt.

Warum kommt das Gesetz? „Viele Einwegprodukte aus Kunststoff sind überflüssig und kein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Außerdem landeten viele Plastikartikel in der Umwelt.

Welches sind die Alternativen? Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wird es nicht möglich sein, Kunststoff eins zu eins durch umweltverträglichere Materialien zu ersetzen. „Höchstens bei Wattestäbchen könnte man sich vorstellen, dass der Schaft nicht mehr aus Plastik, sondern aus Pappe hergestellt wird“, sagt die DUH-Expertin für Kreislaufwirtschaft, Henriette Schneider, dieser Zeitung. Allgemein habe Pappe aber keine wesentlich bessere Umweltbilanz als Kunststoff. Nötig sei ein Umsteuern auf wiederverwendbare Artikel und Mehrwegsysteme.

Wird dadurch alles teurer? Die DUH-Expertin sagt nein. „Ein Trinkröhrchen aus Glas oder Edelstahl kann ich viele hundert Mal verwenden. Das kostet nicht mehr, als wenn ich mir immer wieder Schachteln mit Trinkhalmen kaufe.“

Soll man sich jetzt noch schnell mit Plastikartikeln eindecken? Das muss jeder mit seinem Umweltgewissen ausmachen. Möglich wäre das, denn die Produkte befinden sich weiter im Handel.

Gibt es Lücken im Gesetz? Schneider von der DUH weist darauf hin, dass es die EU-Vorgaben auch hergegeben hätten, Einweg-Becher und -Essensboxen aus Kunststoff zu verbieten. Darunter fallen laut der Expertin auch Verpackungen aus Pappe, die in aller Regel kunststoffbeschichtet sind. „Die Bundesregierung erfüllt lediglich die Mindestanforderungen der EU. Da hätte die Deutsche Umwelthilfe sich mehr erwartet.“

Hilft das Verbot den Meeren? Wahrscheinlich ja. Aber der Effekt dürfte gering sein: 90 Prozent des Plastiks dort stammt nach Angaben des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung aus zehn Flüssen in Asien und Afrika. Michael Gabel

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