Landshut / André Bochow / NBR Ein ehemaliger Polizist und seine Ehefrau aus Bayern werden verdächtigt, „NSU 2.0“-Schreiben verfasst zu haben. Ein Innenexperte aus Hessen spricht von „Trittbrettfahrern“.

Es geht um sechs E-Mails, die im Juli verschickt wurden. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Nadja Niesen, erklärte auf Nachfrage, man habe „Datenträger sichergestellt und die werden jetzt ausgewertet“. Ermittelt werde gegen ein Ehepaar aus dem bayerischen Landshut. Es handelt sich um einen 63-jährigen ehemaligen Polizisten und dessen 55-jährige Ehefrau. Laut Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann (CSU), gibt es eine „technische Spur“ zu einem E-Mail-Account. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte das nicht bestätigen. Auch über eine Verbindung zur hessischen Polizei heißt es lediglich: „Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, bei denen man  „erst ganz am Anfang“ stünde. Das Paar war schon am Freitag festgenommen worden und ist wieder auf freiem Fuß.

Nach Angaben des hessischen LKA sind bislang 69 rechtsextreme Drohmails an 27 Personen verschickt worden. Unter den Betroffenen sind die Anwältin Seda Basay-Yildiz, die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, die Bundestags-Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, Politikerinnen und Politiker der Grünen und die Kabarettistin Idil Baydar. Unterschrieben waren die Mails mit dem Kürzel „NSU 2.0“, das auf die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ anspielt. Besonders brisant ist, dass Personendaten von Computern der hessischen Polizei heruntergeladen wurden, die dann in den Drohmails auftauchten.

Der verdächtigte Ex-Polizist bestreitet energisch die Urheberschaft der in Frage stehenden Mails. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sprach er von einer „Intrige“ gegen ihn. „Ich habe mit diesen ,NSU 2.0’-Schreiben überhaupt nichts zu tun. Ich verurteile das“, sagte der 63-Jährige. Er bezeichnete sich als „konservativen Menschen im Sinne der Zeit, als Franz-Josef Strauß noch bayerischer Ministerpräsident war“.

Verfahren eingeleitet

Offen ist, ob von einem  rechtsextremen Netzwerk bei der Polizei in Hessen tatsächlich eine Spur nach Bayern führt. „Das muss natürlich jetzt ganz sorgfältig ermittelt werden“, sagte Minister Herrmann. Gegen den Ex-Polizisten sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Unter Umständen drohten dem Mann, der seit 16 Jahren nicht mehr im Polizeidienst ist, auch die „Aberkennung aller Ruhebezüge“.

Der Innenexperte der Linksfraktion im hessischen Landtag, Hermann Schaus, meint, bei den vorläufig Festgenommenen handele es sich „offenbar um Trittbrettfahrer“. Damit bleibe weiter unklar, wer für die Ab­frage von Personendaten von Polizei­computern in Wiesbaden und Frankfurt am Main verantwortlich ist. André Bochow