Berlin/München (epd) / epd Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) möchte nachhaltig hergestellte Kleidung erkennbar machen. Doch das neue staatliche Siegel stößt auf Kritik.

Erstmals gewährleistet ein staatliches deutsches Gütesiegel die sozial- und umweltverträgliche Produktion von Kleidung, Bettwäsche und anderen Textilien. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stellte den „Grünen Knopf“  vor. „Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt“, sagte er.

Müller betonte, im Textilbereich gebe es eine der vielen Lieferketten, die in Entwicklungsländern anfingen und in deutschen Kaufhäusern endeten. Die Menschen arbeiteten dabei zum Teil wie Sklaven auf Plantagen und in Fabriken. Der Minister verwies auf den Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza im April 2013 in Bangladesch, bei dem mehr als 1100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet wurden. Der Wille, diese Bedingungen zu ändern, habe ihn angetrieben, den „Grünen Knopf“ voranzubringen.

70 Unternehmen haben laut Ministerium bislang ihr Interesse an dem Siegel bekundet. 27 von ihnen können ab sofort Produkte verkaufen, die damit ausgezeichnet sind. Dazu gehören Aldi und Lidl, die Firmen Hess Natur und Vaude sowie Rewe und Tchibo. Im Prüfprozess sind unter anderem Hugo Boss und die Otto-Group. Die Einführungsphase ist daher bis Ende Juni 2021 vorgesehen.

Minister Müller forderte, dass der „Grüne Knopf“ auch bei der öffentlichen Beschaffung zum Maßstab werden müsse, indem die Bundeswehr, die Polizei und Krankenhäuser künftig Textilien verwenden, die staatlich ausgezeichnet sind. Noch sei man aber weit davon entfernt, räumte er ein. Seinen Worten nach deckt der „Grüne Knopf“ zunächst die Arbeitsschritte „Nähen“ und „Färben“ ab.

Ausweitung geplant

Er versicherte, dass das Siegel in den kommenden Jahren auf weitere Produktionsschritte wie den Baumwollanbau ausgeweitet werde. Auch die Sozial- und Umweltkriterien würden mit Hilfe eines Beirats weiterentwickelt.

Die Organisation „terre des hommes“ kritisierte indes, dass das Siegel nicht besonders ausbeuterische Produktionsschritte in den Blick nehme, nämlich „Kinderarbeit im Baumwollanbau, Sklaverei in Spinnereien“. Greenpeace hob hervor, dass nach jetzigem Stand der „Grüne Knopf“ auch auf einem T-Shirt aus pestizidbehandelter Gentechnik-­Baumwolle kleben könnte. Denn die Prüfprozesse gebe es quasi erst beim Färben. Andere Siegel gingen da bereits weiter.

Die Menschenrechts- und Hilfsorganisation medico international kritisierte, das Siegel setze auf Freiwilligkeit und sei daher praktisch wirkungslos. Müller betreibe „Schaufensterpolitik“, statt endlich das Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Das steht allerdings frühestens im nächsten Jahr an. epd