Berlin / André Bochow / NBR Wie viele Lehrer halten auch Schülervertreter normalen Unterricht nach dem Sommer für unwahrscheinlich.

Die Bundesfamilienministerin will den regulären Schulbetrieb nach dem Sommer. Jan Zinal, Innenkoordinator der Bundesschülerkonferenz, glaubt nicht daran.

Was spricht gegen Normalunterricht nach den Sommerferien, Herr Zinal?

Jan Zinal: Wir sind gegen überstürztes Handeln und für ein schrittweises Vorgehen. Für einen Normalbetrieb müssten die Ministerien erst Konzepte vorlegen.

Sie sind also eher skeptisch?

Nicht skeptisch, aber vorsichtig. Schließlich ist Corona nicht verschwunden.

Familienministerin Giffey will die Abstandsregeln aufgeben.

Wenn trotzdem dafür gesorgt werden kann, dass es zu keinen neuen Corona-Ausbrüchen kommt, dann bitteschön. Aber falls nicht, besteht das Risiko, dass die Einschränkungen des Schulbetriebes am Ende größer sind, als wenn man stufenweise und unter Einhaltung der Hygieneregeln nach den Sommerferien den Schulbetrieb organisiert.

Also warten auf den Impfstoff?

Es kann ja niemand absehen, wann es einen Impfstoff gibt. Deswegen müssen wir ohne ihn planen. Natürlich hängt viel von den Infektionszahlen ab. Aber das neue Schuljahr wird nicht unter normalen Bedingungen beginnen. Davon bin ich fest überzeugt.

 Wie wäre es mit  einer Verkürzung der Ferien?

Das sehe ich sehr kritisch. Schon weil wir sehr unterschiedliche Ferienpläne in den Bundesländern haben. Und wir sollten nicht vergessen: Wir hatten Schulbetrieb. Auf digitalem Weg und als Homeschooling. Das mag nicht immer reibungslos geklappt haben, war aber trotzdem anstrengend. Und Samstagsunterricht wäre eine enorme Belastung für die Lehrer. Das ist keine gute Idee.

 Manche sprechen von einer verlorenen Generation.

Das ist Unsinn. Natürlich gibt es Schwierigkeiten. Aber die Schüler sind sehr solidarisch und sind in der Krise zusammengerückt. Auch mit den Lehrern, die in der Regel Großartiges leisten und alles tun, um in Kontakt mit ihren Schülern zu bleiben. Wir sind eine starke Generation und keine verlorene.

Werden eigentlich die Schülervertretungen ausreichend in die Diskussion um die erwähnten Konzepte einbezogen?

Die Landesschülervertretungen diskutieren in den Bundesländern meist sehr erfolgreich mit. Wir als Bundesschülerkonferenz machen da leider andere Erfahrungen. Die Kultusministerkonferenz und das Bundesbildungsministerium beziehen uns de facto überhaupt nicht ein. Dabei sind wir es, die zusammen mit Lehrern und Eltern den Schulalltag gestalten. André Bochow