eb Wer höhere Zinsen möchte, muss die Angebote der Banken vergleichen. Welche Institute die besten Konditionen bieten. Von Simone Gröneweg

Die Deutschen machen nicht viel aus ihrem Geld. Ob auf Girokonten, Sparbüchern oder als Bargeld – Billionen Euro liegen kaum verzinst herum. Der Geldhaufen wächst zusehends. Selbst in der Corona-Krise legten drei Viertel der Bevölkerung regelmäßig Geld zur Seite, ergab Ende April eine Umfrage im Auftrag der Postbank.

Das Problem der Sparer: Sie wissen nicht, wohin mit ihrem Vermögen. „Das Geld unters Kopfkissen zu legen ist jedenfalls keine Lösung“, so Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wer stets über sein Geld verfügen will, sei beim Tagesgeld gut aufgehoben. Die Anlageform verschaffe Flexibilität, denn man komme jederzeit ans Ersparte.

Zinsjäger haben es allerdings schwer. Bei den meisten Kredit­instituten erhalten Kunden auf ein herkömmliches Tagesgeldkonto einen symbolischen Niedrigzins knapp über null Prozent. Beim Festgeld sieht es mitunter etwas besser aus. Manche Institute erhöhten zu Beginn der Corona-Krise ihre Zinsen. „Sie deckten sich vermutlich vorsichtshalber bei Privatanlegern mit Liquidität ein“, erklärt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim. Der Trend wird sich aber wohl nicht fortsetzen. „Die Zentralbanken pumpen viel Liquidität in die Märkte“, sagt Burghof.

„Die Zinsen für Tages- oder Festgeld werden auch in diesem Jahr auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben“, schätzt Thomas Dwornitzak, Leiter des Bereichs Sparen & Anlegen bei der Direktbank ING. Ähnlich fällt die Bewertung von Chris-Oliver Schickentanz aus. Der Chefanlagestratege der Commerzbank betont, dass die Zinsen sich hierzulande am Einlagenzins der Europäischen Zentralbank orientieren würden. „Der fällt mit minus 0,5 Prozent deutlich negativ aus und dürfte sich in den kommenden zwei bis drei Jahren auch nicht zum Positiven verändern“, sagt er.

Bonus für Neukunden

Immer wieder locken einzelne Anbieter mit einem etwas höheren Zinssatz. Die französische Renault Bank direkt fällt beispielsweise beim Tagesgeld positiv auf. Neukunden erhalten dort 0,55 Prozent, und zwar bis zu einer Anlagesumme von 500 000 Euro bei einer Zinsgarantie von sechs Monaten. Nach Ablauf dieser Zeit müssen Kunden sich mit dem variablen Bestandskundenzins von derzeit 0,25 Prozent pro Jahr begnügen.

Möchte ein Sparer in den kommenden Monaten nicht unbedingt aufs Ersparte zugreifen, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf die Offerten für Festgeldkonten. Becker-Eiselen empfiehlt eine Laufzeit von maximal ein bis zwei Jahren. „Man sollte angesichts der unsicheren Gesamtsituation keine längeren Laufzeiten wählen“, meint sie. Bei den attraktiven Angeboten dominieren ähnlich wie beim Tagesgeld die ausländischen Anbieter.

Wenn ein Kunde lieber bei einer deutschen Bank und der deutschen gesetzlichen Einlagensicherung bleiben will, sollte er sich das Angebot der BMW Bank ansehen. „Schalten Sie doch mit Ihren Zinsen noch einen Gang höher“, fordert die auf ihrer Internetseite auf – wobei sie beim Online-Tagesgeld lediglich 0,03 Prozent bietet. Besser sieht es dagegen beim Festgeld aus: Dort offeriert das Geldhaus einen Zinssatz von 0,75 Prozent.

Anders agieren Plattformen wie Zinspilot, Savedo und Welt­sparen: Sie sind Vermittler, wenn jemand sein Vermögen im Ausland anlegen möchte. Der Vorteil: Verbraucher können mit geringem Aufwand Produkte von ausländischen Banken nutzen, ohne dort extra ein Konto eröffnen zu müssen. Zudem kann man die Angebote unbürokratisch wechseln. Allerdings stammen einige dieser Offerten aus wirtschaftlich kriselnden Ländern.

Verbraucherschützer sehen Angebote aus solchen Ländern kritisch. Verbraucherschützerin Becker-Eiselen mahnt jedenfalls zur Vorsicht. Man solle sich das jeweilige Land anschauen, lautet ihr Rat. Zinsexperte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung empfiehlt grundsätzlich: „Sparer sollten ihr Augenmerk eher auf die bonitätsstarken Staaten richten – wie Deutschland, Schweden, die Niederlande oder auch Österreich und Frankreich.“

Wo Tagesgeld am meisten bringt

AnbieterKontaktAngebots­bezeichnungZinsen für Anlagebetragab 1 €25 000 €50 000 €

Renault Bank direkt 1, 2www.renault-bank-direkt.deTagesgeldkonto0,55 %0,55 %0,55 %Advanzia Bank 1, 2, 3www.advanzia.comTagesgeldkonto0,50 %0,50 %0,50 %Ikano Bank 1www.ikanobank.deFlex Horten0,24 %0,24 %0,24 %CosmosDirekt 4www.cosmosdirekt.deTagesgeld Plus0,21 %0,21 %—Bank 11www.bank11.deTagesgeldkonto0,20 %0,20 %0,20 %NIBC Direct 1www.nibcdirect.deTagesgeldkonto0,20 %0,20 %0,20 %Sberbank Direct 1www.sberbankdirect.deTagesgeldkonto0,20 %0,20 %0,20 %Akbankwww.akbank.deOnline Tagesg.0,15 %0,15 %0,15 %Oyak Anker Bankwww.oyakankerbank.deTagesgeldkonto0,15 %0,15 %0,15 %

Stand: 08.06.2020; sortiert nach Anlagebetrag: 25000€; 1 maximal 100 000 € gesetzliche Einlagensicherung;
2  für Neukunden/Neuanlagen;  3 Mindestanlage 5000 €; 4  Mindestanlage 1000 €; Quelle: FMH-Finanzberatung (www.fmh.de)