Der Fantasie scheinen bei Tattoos keine Grenzen gesetzt. Was die Auswahl der Farbmotive angeht, könnte es zumindest innerhalb der EU mit der großen Freiheit aber bald vorbei sein. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA mit Sitz in Helsinki hat empfohlen, mehr als 4000 bedenkliche Substanzen bei Tattoo-Farben und permanentem Make-up zu beschränken. Darunter auch die Farbpigmente Blue 15 und Green 7, die in zwei Dritteln aller Tätowierfarben enthalten sind.

Die Tattoo-Szene schlägt schon jetzt Alarm: „Sollte es zu einem Verbot kommen, werden über 60 Prozent der Farbmotive zumindest offiziell nicht mehr möglich sein“, sagt Tätowierer Jörn Elsenbruch aus Nordrhein-Westfalen. Aus seiner Sicht ist das Verbot unsinnig. Dass die Farbpigmente gesundheitsschädlich sind, sei wissenschaftlich nicht bewiesen. „In 25 Jahren habe ich nicht ein schwerwiegendes Problem mit den Pigmenten erlebt“, so Elsenbruch.

In Kosmetika bereits tabu

Diese Substanzen sind laut einer entsprechenden EU-Regulierung bereits in Kosmetika tabu. Die ECHA-Position ist klar: Was nicht auf der Haut verwendet werden darf, dürfe auch nicht unter der Haut verwendet werden. Im konkreten Fall von Blue 15 und Green 7 geht es der Behörde um zwei Dinge: Zum einen hängen die Bedenken mit dem Blasenkrebsrisiko der Stoffe zusammen, zum anderen ist ein Ausschuss der ECHA zu der Einschätzung gekommen, dass die Informationen über die Pigmente unzureichend seien, um einen sicheren Gebrauch zu garantieren.

Argumente, die aus Sicht vieler Tätowierer kein Verbot rechtfertigen. Bis Sonntag läuft eine von Elsenbruch initiierte Online-Petition unter dem Titel #tattoofarbenretten. Mehr als 143 000 Unterstützende, darunter nach Angaben der Initiative auch einige prominente Fußballer, hat er bereits überzeugt.  

Das bedeutet, dass der Petitionsausschuss des Bundestags in einem ersten Schritt über die Forderungen der Unterzeichner öffentlich beraten wird. „Wir fordern von Bundesregierung und Bundestag, ein EU-Verbot abzuwenden“, sagt Elsenbruch. Außerdem fordert die Initiative die Politik auf, mit der Szene in den Dialog zu treten. „Wir wollen nichts Gefährliches in Tätowierfarben“, sagt der 53-Jährige. „Sollten Untersuchungen bestätigen, dass die besagten Pigmente gesundheitsschädlich sind, können wir über ein Verbot sprechen.“

Die Pigmente einfach so zu verbieten, würde die in den letzten Jahren mühevoll aufgebauten Gesundheitsstandards zerstören, befürchtet Elsenbruch. Tätowierer würden sich die Farben aus dem Ausland besorgen oder der Schwarzmarkt würde die Lücke füllen. dpa