Stuttgart / Carlos Ubina Trainer Pellegrino Matarazzo glaubt, dass sich der VfB Stuttgart nach dem Aufstieg in der Bundesliga leichter tut – ein Irrglaube? Von Carlos Ubina

Der Glaube an das eigene Team ist stark. Wäre ja auch noch schöner, wenn der Cheftrainer nicht von den eigenen Leuten überzeugt wäre. „Wir verfügen über eine talentierte Mannschaft mit viel Potenzial“, sagt Pellegrino Matarazzo über den VfB Stuttgart. Das ist keine ganz neue Einschätzung und Matarazzo stand bisher auch nicht unter dem Verdacht, die Qualität seiner Spieler gering zu schätzen. Das ist nicht die Art des 42-jährigen Fußballlehrers – und daran hat sich nach dem Aufstieg in die erste Liga und zwei Tagen akribischer Saisonanalyse nichts geändert.

Nach dem Feiern am Sonntagabend, den ersten Gesprächen am vergangenen Montag, dem Familientag am Dienstag ging es für Matarazzo am Mittwoch und Donnerstag um die Mannschaft: Stärken und Schwächen, Hierarchie und Struktur, Potenziale und Perspektiven. All das auf Basis von dem, was in den Stuttgarter Beinen steckt und verbunden mit der Frage nach möglichen Verstärkungen.

Über viel Geld verfügt der VfB Stuttgart in Corona-Zeiten nicht. Der Trainer legt deshalb in erster Linie den Fokus auf die Spieler, die schon da sind. Denn am Grundgerüst der Mannschaft wird sich nach erfolgtem Umbruch im vergangenen Sommer nicht viel ändern. Wohl aber an der Spielweise.

Die Bundesliga ist die Bühne der Besten in Deutschland und sie bietet offenbar mehr Raum zur Entfaltung der weiß-roten Fähigkeiten als diese vermaledeite Spielklasse darunter. „In der Bundesliga werden wir unsere Matchpläne variabler ausrichten können als in der zweiten Liga“, sagt Matarazzo, mit dem wichtigen Zusatz: „Das kann uns zugute kommen.“

Allzu oft fühlten sich die Stuttgarter in der abgelaufenen Saison, als müssten sie durch ein Nadelöhr kombinieren, und noch eins, und noch eins. Doch für dieses enge Spiel fehlte dem VfB häufig die Präzision. Jetzt soll es noch mehr um Tempo gehen. Doch schon häufiger erlagen die Stuttgarter dem Irrglauben, ihre Mannschaft werde sich leichter tun, wenn sie selbst nicht mehr das Spiel machen müsse. Aber leicht ist in der Bundesliga verdammt schwer, weil davon auszugehen ist, dass die meisten Abwehrspieler nicht so hölzern und langsam daherkommen wie der Nürnberger Georg Margreitter oder Sandhausens Gerrit Nauber.

„Wir haben Spieler mit Speed in unseren Reihen und können große Räume vor uns gut überbrücken“, sagt Matarazzo. Auch spielerisch, meint der Trainer. Nicht allein durch Konter. Doch die Verteidiger sind ab jetzt wieder schneller, taktisch und technisch besser. Der umworbene Angreifer Nicolas Gonzalez weiß das aus seinem ersten Jahr in Stuttgart, und Silas Wamangituka wird es zu spüren bekommen.

Wie andere junge Spieler werden die wilden Kerle des VfB einen Lernprozess durchlaufen müssen – und Matarazzo wird versuchen, die Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Zumal er seine Entwicklung in den vergangenen Monaten nicht von der Mannschaft loslösen will. Für ihn bilden Team und Trainer eine Einheit. In diesem Fall eine Lern­einheit. Spiel für Spiel hat der Italoamerikaner seit Januar mehr und mehr über die Eigenheiten seiner Mannschaft gelernt.

Und gerade noch rechtzeitig gelang ihm der Kniff, der zum Aufstieg führte. „Gegen den SV Sandhausen und den 1. FC Nürnberg haben wir etwas anders und auch einen Tick mutiger gespielt als in manchen Begegnungen davor“, sagt der Coach rückblickend. Vorausschauend will er sich diesen neuen Mut bewahren: Der VfB wird in der Vorbereitung großen Wert auf die Defensive legen, verstecken will er sich auf dem Platz jedoch nicht. Dafür ist Matarazzos Glaube an das Team zu stark.

16-Jähriger auf dem Einkaufszettel

Der VfB Stuttgart hat offenbar Mohamed Sankoh (16) auf dem Zettel – das meldet das Portal Fußballtransfers.com. Der Stürmer spielt aktuell beim englischen Klub Stoke City im U-18-Team und ist Teil der niederländischen U-19-Nationalmannschaft.

Der Bundesliga-Aufsteiger hat ein paar interessante Zahlen zur abgelaufenen Zweitligasaison gesammelt. So kamen die Stuttgarter auf stolze 14 Jokertore. Nur Rot-Weiß Oberhausen war in der Saison 2002/2003 noch besser – mit 15 Treffern. Aber nicht nur im Angriff klappte es ausgezeichnet: In elf Saisonspielen hielt der VfB hinten die Null.